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Auf „Pestvogel“-Jagd im Pott

Zugegeben, der letzte Beitrag ist schon ein bisschen her. Hiermit möchte ich mich zurückmelden und werde diesmal von meinem Fotokumpel Peter Schütz unterstützt, mit dem ich öfter im Ruhrgebiet unterwegs bin. Zumeist aus naturfotografischen Gründen. Und so war es natürlich klar, dass wir auch einmal bei den Seidenschwänzen vorbei gefahren sind, die zu Jahresbeginn in Moers (westlich Duisburg) aufgetaucht waren. Und hier konnten wir uns davon überzeugen, dass Naturfotografie auch eine gefährliche und abenteuerliche Komponente haben kann, ohne dass man dafür extra in exotische Gefilde reisen muss.

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Vielleicht ist sogar gerade die „Fotografie vor der Haustür“ naturgegeben gefährlicher, als auf dem Dovrefjäll, in der Extremadura oder am Amazonas. Gewiss gibt es auch in diesen Regionen Unwägbarkeiten. Es gibt giftige Tiere und solche, die bei Unterschreiten der Naheinstellgrenze schon mal mucksig werden können. Wer den Nervenkitzel braucht, kann ja mal versuchen, Fellparasiten der Moschusochsen mit dem Makroobjektiv abzulichten. Da sind die Seidenschwänze grundsätzlich kameradschaftlicher eingestellt.

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Allerdings haben sich die Seidenschwänze keine heimelige Örtlichkeit für ihre Winterferien ausgesucht, sondern sie hielten sich direkt am Rand einer stark befahrenen Landstraße auf. Und diese bot nur an einer Straßenseite die Möglichkeit, sich mit Stativ und Kamera aufzustellen. Die Vögel aber bevorzugten die andere Seite, wo die Liguster- und sonstigen Beerenbüsche direkt an der Fahrbahn stehen. Obwohl so mancher LKW sie mit dem von ihm verursachten Fahrtwind regelrecht aus den Zweigen fegte, blieben die Vögel zu Überraschung Aller über mehrere Wochen an dieser Stelle. Das ist für die Art eher ungewöhnlich, da sie sonst eher dazu neigt, nach wenigen Tagen auch Ort wieder zu verlassen, auch wenn er noch ausreichend Nahrung bietet. So konnten wirklich viele Naturfotokollegen hier zu Bildern kommen. Einfach war es aber nicht. Immer wieder bekam man Bilder mit allerlei Farbwischern durch vorbei rauschende Fahrzeuge. Gedeckten, dunklen Farben scheint der deutsche Autofahrer meiner Bildstatistik nach den Vorzug zu geben. Nicht selten hielten auch einige Autos direkt vor den Linsen an, um zu erfragen, was hier los sei. Gerade Berufspendler stellte sich diese Frage brennend, wenn auf einer ansonsten äußerst unattraktiven Strecke mit einem Mal über Wochen allmorgendlich und bis zum Abend ein einseitiges Spalier aus langen „Tüten“ gebildet wird. Die Antwort „Wir fotografieren Seidenschwänze“ erzeugte Reaktionen von „Hä?“ über amüsierte zur Kenntnisnahme bis hin zu „Das google ich mal“.

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Der Abstand zu den Vögeln bedurfte schon einer längeren Brennweite. An einem Abend dann probierten wir einmal, an einen einzelnen Seidenschwanz etwas näher heran zu kommen, was der auch problemlos zuließ, sofern man nicht über den Mittelstreifen der Fahrbahn ging. Ab da schaute er zumindest auf und beobachtete einen. Gleichzeitig beobachtete ein Kollege den Straßenverkehr und gab immer rechtzeitig Bescheid, wenn wieder einer eilig gen Heimat bretterte, was uns zwang, hurtig auf unsere Straßenseite zurück zu huschen.

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Es ging gut, aber im Nachhinein musste ich schon darüber grinsen, zu welchem Quatsch man doch für ein Foto bereit ist. Davon werde ich hier sicherlich weitere Beispiele liefern. Das Wochen später ein Autofahrer abends beim Krötenfotografieren recht zielstrebig auf mich zuhielt und grinsend dicht an mir vorbei fuhr, machte mir deutlich, dass wir in der „Wildnis“ sehr wahrscheinlich ungefährdeter arbeiten können.

Text und erste zwei Bilder Markus Botzek, restl. Bilder Peter Schütz

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