Bekassine auf Zaunpfahl.

~ Ein Wochenende im Moor ~ Teil II

Aktuell wird in den Medien viel über den dramatischen Rückgang unserer Vogelwelt berichtet. Die Studie berichtet von einem Rückgang der Uferschepfenpopulation von 61%. Die Art wird nicht umsonst in Kategorie 1 „Vom Aussterben bedroht“ in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands geführt. Zum Glück gibt es in westlichen Niedersachsen noch einige kleine Gebiete in denen sowohl Uferschnepfen als auch andere bedrohte Tierarten Restbestände ihres Lebensraumes finden.

Während meines Studiums habe ich drei Jahre lang in Osnabrück gewohnt, wodurch sich die Chance ergab, die Moore des westlichen Niedersachsens besser kennenzulernen. Noch heute freue ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich etwas in der Gegend zu tun habe und es mit einem Besuch in den Mooren verbinden kann. Bereits 2015 konnte ich es mit der Mitgliederversammlung der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) in Bad Essen verbinden. Den Blogartikel dazu findet ihr hier.

2015: Bei wunderbaren Sonnenaufgängen tummelten sich die Uferschnepfen in den Feuchtwiesen
2015: Bei wunderbaren Sonnenaufgängen tummelten sich die Uferschnepfen in den Feuchtwiesen. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.

Vor zwei Jahren waren die Fotobedingungen im Ochsenmoor komplett andere und die Morgen waren von klaren Sonnen-aufgängen und glitzernden Feuchtwiesen geprägt. Natürlich war es meine Hoffnung, dass sich diese wunderbaren Bedingungen dort in diesem Jahr wiederholen, doch es kam etwas anders.

An diesem Wochenende herrschte typisches Aprilwetter mit viel Wind und wechselhaften Bedingungen. Die meiste Zeit war es jedoch bewölkt, wodurch die Chance auf funkelnde Tautropfen dahin war. Bei bedecktem Himmel erscheinen Lebensraum-aufnahmen und Fotos mit kleinerem Abbildungsmaßstab schnell langweilig, weshalb ich mich gezielt auf klassische Artfotos konzentriert habe. Interessante Tierarten waren ausreichend in den Feuchtwiesen unterwegs. Die Schwierigkeit lag jetzt darin ihnen nah genug zu kommen, ohne dass sie auffliegen oder man nur ihre Hinterteile im Sucher sieht, weil sie von einem wegwatscheln. Das Ochsenmoor besteht größtenteils aus einer Einbahnstraße, die man mit dem Auto befahren kann. Aus dem Auto heraus lassen sich Uferschnepfen und Rotschenkel zum Teil bequem auf Zaunpfählen fotografieren. Dabei bietet es sich an einen Bohnensack auf das geöffnete Fenster zu legen, um einen sicheren Halt für die Kamera zu gewährleisten.

Ein Rotschenkel hat es sich auf einem Zaunpfahl gemütlich gemacht.
Ein Rotschenkel hat es sich auf einem Zaunpfahl gemütlich gemacht. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.
2
Das Making-of zum Rotschenkel. Mit etwas Glück lassen sich Watvögel direkt aus dem Auto heraus fotografieren.

Hat man erst einmal angehalten, lässt sich die Position für gewöhnlich nicht mehr verändern, da die Vögel sonst auffliegen würden. Auch Bewegungen im Auto sollten auf ein Minimum reduziert werden, weil es sich eben um Wildvögel handelt. Wer etwas mehr Freiheiten haben möchte, kann sich das Fenster mit einem Tarnnetz etwas abhängen, damit die Vögel die eigenen Bewegungen nicht sehen können. Für Fotos in den Feuchtwiesen muss man sich jedoch etwas mehr ins Zeug legen, weil der Aufnahmewinkel sehr steil ist. Meine altbewährte Methode ist es bis auf gleiche Höhe der Vögel zu fahren und dann vorsichtig an der abgewandten Seite des Autos auszusteigen. Anschießend robbt man flach auf der Straße liegend an der Stoßstange vorbei und hofft darauf, dass die Vögel den klickenden Haufen auf der Straße tolerieren.

4
Die Motivpalette in den Feuchtwiesen ist groß . Sogar Kampfläufer lassen sich dort immer wieder beobachten. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.
5
Diese weibliche Löffelente war eine besondere Freude für mich, weil ich die Art persönlich sehr gerne mag. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.
6
Knäkenten gehören mit zu den schönsten Enten Deutschlands, wobei das Weibchen doch eher Unscheinbar daherkommt. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.
3
Und Action! Die Uferschnepfen haben sich um die nächste Generation gekümmert. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.

Mit sehr viel Fingerspitzengefühl hat es das ein oder andere Mal geklappt. Man wird dabei jedoch stets kritisch beäugt und jede Bewegung sollte gut bedacht werden. Lange Brennweiten wie das Canon 500/4 L IS USM II oder das Canon 600/4 L IS USM II, in Kombination mit einem 1,4-Fach Konverter bieten sich dabei auf jeden Fall an.

7
In den Wassergräben lassen sich regelmäßig auch Bisams beobachten. Nur selten gelingt es aber sie so frei am Ufer zu beobachten. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.
8
Seeadler und Windräder. Eine nach wie vor aktuelle Debatte in der Energiewende. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.

Am Ende der Rundtour kommt man durch eine trockenere Wiesengegend, die für die Wat- und Entenvögel als Lebensraum nicht mehr in Frage kommt. Dort lassen sich jedoch Rehe, Hasen und Fasane beobachten, die das Motivangebot an so einem Wochen-ende angenehm abrunden.

9
Über eine Weide kriechend, konnte ich mich diesem Hasen bis auf wenige Meter nähern. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.
10
Fasane zählen zu den Motiven, die ich immer wieder gerne als Beifang mitnehme. 🙂 Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.
11
Einer der wenigen Lichtblicke an dem Wochenende. Graugänse im letzten Licht des Tages, als der Himmel nach Sonnenuntergang doch noch etwas Farbe bekam. Canon EOS 5D III + Canon EF 500/4.0 L IS USM II + Canon EF Extender 1.4x III © Jan Piecha.

Letztendlich ist es an bei diesem Mal nur auf zwei Fototouren hinausgelaufen, da es die restliche Zeit geregnet hat. Durch konzentriertes Ankriechen der Vogelarten ist aber dennoch eine Vielzahl an brauchbaren Fotos entstanden, auch ohne die herbeigewünschten Sonnenaufgänge.

Jan Piecha

 

Jan Piecha

Jan Piecha

Mein Name ist Jan Piecha (*1990) und ich bin Naturfotograf. Das kommt vermutlich daher, weil ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen bin, wo man auch mit extrem viel Mühe der Natur nicht aus dem Weg gehen könnte.
Vor vielen Jahren bekam ich von meinen Eltern eine erste Digitalkamera zum Geburtstag, die ich vorzugsweise in der Natur ausprobiert habe. Aus den Versuchen wurde ein Hobby und aus dem Hobby eine Leidenschaft. Besonders gerne fotografiere ich Vögel und Säugetiere, da die Herangehensweise an diese Arten immer wieder aufs Neue spannend ist und auch mal Action geboten wird. Dabei arbeite ich gerne an Geschichten zu Arten oder Gebieten und nicht nur am einzelnen Bild.
Obwohl mir die Motive vor der Haustür am liebsten sind, genieße ich es auch komplett neue Gegenden in fernen Ländern zu erschließen. Annähernd jede Art fehlt noch im Archiv und man kann sich ganz von neuem austoben. An den Bildern und Erinnerungen solcher Touren kann ich mich noch Jahre später erfreuen.
Jan Piecha

Letzte Artikel von Jan Piecha (Alle anzeigen)

Kommentar verfassen