Ganz tief im Gras - © K.Winterhoff

Wenn Rehkitze sterben…

Es ist ein stilles Drama, dass sich jedes Frühjahr auf den heimischen Feldern und Wiesen ereignet. Tausende Ricken gebären ihre Kitze in den hohen Graswiesen unserer Heimat. Bei der ersten Mahd wird das schnell zur tödlichen Gefahr für sie.

Geborgen im Gras © K.Winterhoff
Geborgen im Gras – © K.Winterhoff

Die erste Mahd des Jahres fällt unglücklicherweise immer mit der Geburt der Rehkitze zusammen. Rehkitze haben keinen Eigengeruch. Sie sind dadurch geschützt und bewegen sich selbst wenn jemand sehr nahe kommt, nicht. Denn das hohe Gras und ihr fehlender Geruch ist das einzige was sie vor Fressfeinden beschützt. Beim Mähwerk wird das jedoch den Kitzen zum Verhängnis.

Schnell saust das Mähwerk vorbei - © K.Winterhoff
Schnell saust das Mähwerk vorbei – © K.Winterhoff
Aus der Sicht des Kitzes - © K.Winterhoff
Aus der Sicht des Kitzes – © K.Winterhoff

Ich habe das Glück in einer Gegend zu leben, in welchem die meisten Landwirte und Jäger sehr engagiert sind und alles tun, um diesen sinnlosen Kitztod zu verhindern. So durfte ich schon mehrere Male dabei sein, wenn die Wiesen vor der ersten Mahd abgesucht werden. Zumeist sind es Jäger die diese Arbeit übernehmen. Nein, nicht um den Rehbestand und die damit verbundenen Jagderfolg aufrecht zu erhalten, sondern aus Tierliebe. So zumindest meine Erfahrungen.

Freiwillige bewahren vorm Mähtod - © K.Winterhoff
Freiwillige bewahren vorm Mähtod – © K.Winterhoff
Die Idylle trügt - © K.Winterhoff
Die Idylle trügt – © K.Winterhoff
Dort wo ein Kitz liegt, markiert ein Stock die Stelle - © K.Winterhoff
Dort wo ein Kitz liegt, markiert ein Stock die Stelle – © K.Winterhoff

Die Rettungsaktionen laufen wie folgt ab. Man geht in einer Reihe im Abstand von zwei Meter zueinander durch die Wiesen. Findet jemand ein Rehkitz, so wird an dieser Stelle ein Holzstab in die Erde gerammt, sodass man das Tier nach dem kompletten Absuchen der Wiese wiederfindet und heraustragen kann. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, keinen Geruch an den Kitzen zu hinterlassen, da die Ricke das Kitz nur annimmt, wenn es nicht nach Mensch riecht. Dafür benutzt man in der Regel große Grasbüschel.

Behutsam trägt der Bauer das Kitz heraus - © K.Winterhoff
Behutsam trägt der Bauer das Kitz heraus – © K.Winterhoff

Trotz aller Vorsicht ist es nicht garantiert, dass man alle Kitze findet. Sie sind von kleinauf darauf geeicht sich möglichst gut zu verstecken. Der Schmerz der einen durchfährt, wenn man trotz Durchsuchen der Wiese das Geräusch des stockendem Mähwerks, ist nicht zu beschreiben.

Übersehen. Brutale Bilder, die jedoch die Realität widerspiegeln und daher auch gezeigt werden müssen - © K.Winterhoff
Übersehen. Brutale Bilder, die jedoch die Realität widerspiegeln und daher auch gezeigt werden müssen – © K.Winterhoff

Längst nicht immer stellen sich so viele Freiwillige wie dieses Jahr bereit um die Felder zu durchsuchen. Dieses Jahr waren wir 11 Leute, sind gemeinsam 8 km durch Wiesen gelaufen und haben dabei 5 Kitze gefunden. Keines wurde dieses Jahr übermäht, ein herrliches Gefühl.

Ganz tief im Gras - © K.Winterhoff
Ganz tief im Gras – © K.Winterhoff
Das Gras steht so hoch, dass Kitze unentdeckt bleiben - © K.Winterhoff
Das Gras steht so hoch, dass Kitze unentdeckt bleiben – © K.Winterhoff
Das kleine Kitz springt auf und rennt davon - © K.Winterhoff
Das kleine Kitz springt auf und rennt davon – © K.Winterhoff
Gerettet, echte Naturromantik - © K.Winterhoff
Gerettet, echte Naturromantik – © K.Winterhoff

Bei der Reportage dieser Arbeit konnte ich mich wieder einmal hervorragend auf meine Canon verlassen. Seit einiger Zeit benutze ich die Modelle der 5er Reihe und bin sehr zufrieden.
Bei den Objektiven habe ich zurückgegriffen auf ein Canon 2.8/100  Makro, sowie ein Sigma ART 1.4/24, welches in Kombination mit einem Polfilter auch am helllichten Tag gute Ergebnisse liefert. Auch das Sigma ART 1,4/50 habe ich bei einigen Kitzportraits eingesetzt.

Der glücklicher Autor trägt ein Kitz aus der Wiese - © Moritz Möller
Der glücklicher Autor trägt ein Kitz aus der Wiese – © Moritz Möller
Kevin Winterhoff

Kevin Winterhoff

Es war mein Vater, der mich zur Fotografie brachte. Im Alter von 13 Jahren kaufte ich mir eine gebrauchte Nikon F50. Sie war mein ganzer Stolz.

Durch die Hilfe vieler anderer Naturfotografen fing ich an, meine Fotografie zu verbessern. Im Alter von 18 Jahren, begann für mich mit der Nikon D200 die digitale Fotografie. Wachsende Kenntnis über die Natur und häufiger Einsatz der Technik führte zu einer deutlichen Verbesserung in meiner Fotografie.
Für mich bietet die Naturfotografie die Möglichkeit kurze Augenblicke voller zerbrechlicher Schönheit zu konservieren und diese anderen näher zu bringen. Mit meinen Naturfotografien versuche ich daher bei anderen eine Begeisterung für die Natur hervorzurufen.
Kevin Winterhoff

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