Uhu_4_00002

Uhu und Mensch

In den letzten Wochen brütete ein Uhupaar auf einem Fenstersims am Malakowturm der ehemaligen Zeche Ewald in Herten. Schnell machte die Nachricht die Runde und neben interessierten Bürgern kamen auch einige Natur- und Vogelfotografen vorbei. Insbesondere der männliche Vogel saß oft in fotografisch interessanter Distanz und Position, so dass er binnen kurzer Zeit sicher zum meist fotografierten Uhu Deutschlands wurde, wenn nicht gar Vogel überhaupt. Naja, wahrscheinlich kann der Feldberger Seeadler „Aalfred“ beim Bollmann Fred dagegen halten. Einen Namen hat der Uhu meines Wissens nach nicht bekommen, ich wüde aber „Ewald“ vorschlagen. Neben dem Männchen waren es dann die Jungvögel auf dem Fenstersims, die die Aufmerksamkeit der anwesenden Menschen auf sich zogen. Leider habe ich spät von der Sache erfahren und nur noch ein Junges kennengelernt. Die beiden anderen sind zuvor aus dem Nest gehüpft und wurden unten eingefangen und einer Auswilderungsstation übergeben.

Uhu_6_00001Der Jungvogel am Nistplatz

Damit fängt mein Problem mit der Sache an. Diesmal kann von niemandem behauptet werden, das Naturfotografen oder Beobachter die Vögel störten, wie es etwa bei der Cuxhavener Sumpfohreule behauptet wurde. Während der Brut- und Aufzuchtphase lief der Betrieb im direkt benachbarten Biergarten weiter, es fanden Veranstaltungen wie ein Automobiltreff und Hochzeiten statt. Selbst während in der wenige Meter entfernten Halle ein großes Partyevent stattfand und Schlagermusik den rumstehenden Fotografen das Blut aus den Ohren laufen ließ, schlief der Uhu seelenruhig auf seinem Eisenrohr. Schließlich hat er diesen Ort selbst gewählt. Es gab von Seiten der Politik Überlegungen, einige Veranstaltungen auf dem Gelände abzusagen. Das hätte nur das Naturerlebnis der Menschen geschmälert und unnötig die Sympathie der Passanten und Anrainer für den Uhu auf die Probe gestellt. Allerdings war klar, dass die Jungen irgendwann das Nest verlassen werden und ggf. damit verbundene geringfügige Einschränkungen für die Öffentlichkeit auftreten könnten.  Auf die Tatsache war niemand eingestellt.

Uhu_8_00004Ausflug in die Platane, direkt überm Biertisch.

Als der erste Junguhu sein Nest verließ, gingen die anwesenden Menschen davon aus, dass dies ein großes Unglück für den Vogel sei. Man kann auch nicht unbedingt erwarten, dass jeder Bürger über die Verhaltensbiologie der Eulen Bescheid weiß. So rief man die Feuerwehr, die den Jungvogel in die Auswilderungsstation brachte. Das dies aber mit den anderen auch geschah, macht mich etwas nachdenklich. Insbesondere bezogen auf den dritten, den ich ja auch noch miterlebt habe.

Uhu_9_00005Kurz bevor er im Malakowturm verschwand

Natürlich haben wir Naturfotografen vor Ort den Leuten mitgeteilt, wie sich Uhus verhalten. Aber es hat sich niemand unserer Gilde mit zuständigen Behörden in Verbindung gesetzt. Es stellt sich mir gegenwärtig die Frage, ob man in einem solchen Moment nicht zu einem reinen Natur-Nutzer wird, ohne Verantwortung zu empfinden und zu übernehmen. Wieviel Verantwortung haben wir und sollten wir übernehmen? Vielleicht gibt es unter ihnen, liebe Leser, ja Meinungen dazu.

Uhu_5_00003Nächtlicher Ausflug

Sicher hat so mancher Fotograf, und eben auch ich, gedacht, es gibt ja „den Naturschutz“ und entsprechend zuständige Behörden. Das einfangen des dritten Jungvogels lässt mich zweifeln, ob wir uns immer auf diese verlassen können. Denn der letzte Jungvogel wurde nach seiner Nestflucht nicht aus Unkenntnis und übertriebener Fürsorge eingefangen. Vielmehr fürchtete eine durchaus fachkundige Person negative Presse, falls der Uhu sein Junges vor zu aufdringlichen Menschen verteidigen würde. Da war der Anruf bei der Feuerwehr wohl einfacher, als die Nacht und den kommenden frühen Morgen dafür zu nutzen, notwendige Anrufe zu tätigen, einen gewissen Bereich abzusperren, mit Infotafeln zu versehen und so die natürliche Aufzucht der Uhus weiter zu ermöglichen.

Uhu_2_00001Jagdwarte auf einem Dach

Uhu_4_00002Schlafplatz

Bei der abendlichen Nestflucht war ich nicht zugegen, mir ist dennoch ein wenig unwohl, nichts im Vorfeld unternommen zu haben. Ich habe lediglich in der Zeitspanne, in der unser Uhu kein Problem darstellte, Bilder gemacht. Als eine gewisse und überschaubare Arbeit und ggf. Beeinträchtigung des Menschen in Aussicht stand, wurde ein mögliches Problem vorsorglich durch Entnahme des Jungvogels aus der Natur gelöst. Die große Begeisterung, die das Familienleben der Uhus bei den Menschen vor Ort bis dahin ausgelöst hat, lässt aber die Vermutung zu, dass geringe Einschränkungen der menschlichen Bewegungsfreiheit größtenteils akzeptiert worden wären. Zumindest aber wäre es den Versuch wert gewesen. Mit Furcht vor Konflikten wird der Naturschutz aber niemals dauerhaft etwas erreichen. Das Projekt „Wildes Ruhrgebiet“ wird versuchen, mit zuständigen Stellen zu besprechen, wie man ggf. 2018 besser auf den Uhu reagieren kann.

Letzte Artikel von Markus Botzek (Alle anzeigen)

Ein Gedanke zu „Uhu und Mensch“

  1. …dieses schauspiel ist einmalig, sind fast jeden tag hier. gehen mit dem
    hund gassie, die bilder sind einmalig. weiter so!

Kommentar verfassen