Zeltplatz am Schwanensee

Nachdem das Tarnzelt im Garten und auf der Terasse eine gute Figur gemacht hat und leicht zu Bildern führte, wollte ich es natürlich auch einmal draußen einsetzen. Die Singschwäne an der Elbe schienen mir da das geeignete Motiv.Da der Schlafplatz der Singschwäne schon ausgekundschaftet war, kam es jetzt nur noch drauf an, den richtigen Stellplatz für das Tarnzelt zu finden. Im Regelfall ergibt es Sinn, ein Tarnzelt im Dunkeln zu beziehen. Möglichst zügig und geräuscharm. So bekommen die Motive nicht allzuviel mit und kommen später, wenn es hell wird und wir zu Fotografieren beginnen, nicht im Traum drauf, dass in dem runden Gebilde ein oder gar zwei Menschen hocken könnten. Um diesen Vorteil, den das Tarnzelt unzweifelhaft bietet, nicht zu verlieren, habe ich mir einen möglichen Stellplatz schon am Tage ausgewählt. Die Schwäne verlassen ihren Schlafplatz in der Regel am Morgen, da sie auf den Wiesen und Ackerflächen nach Nahrung suchen wollen. Diese Abwesenheit nutzte ich, um das Tarnzelt abzustellen. Wichtig ist ein Platz, der einen trockenen und sicheren Stand ermöglicht, eine gewisse „Tarnung“ bietet und von dem aus man möglichst gute Beleuchtung- und Hintergrundbedingungen hat.

Am Waldrand bot sich leider kein Busch an, neben den das Zelt zu stellen gewesen wäre. Die Kontur ist recht gut auszumachen, insbesondere gegen den hellen Himmel.
Schon ein paar trockene Farnwedel helfen, die Kontur etwas mehr aufzulösen und das Tarnzelt abzutarnen. Das geht natürlich besser bis hin zum vollständigen Verschwinden in bzw. vor der Landschaft.

Das ein Tarnzelt Tarnung benötigen könnte, mag auf den ersten Blick unsinnig erscheinen. Aber man sollte bedenken, dass das Zelt zwar den Menschen verbirgt und damit ein Hauptproblem beseitigt, aber eben selber von den tierischen Motiven wahrgenommen werden kann. Und wird. Da steht dann halt etwas Neues in der Gegend herum, dem man als Singschwan zumindest zu Beginn etwas skeptisch gegenüber stehen könnte. Gibt es die Möglichkeit, stelle ich das Zelt daher an ein schon vorhandenes Landschaftselement wie einen Busch. Das entscheidende Ziel der Tarnung sollte nämlich sein, die Konturen unklar werden zu lassen. Die spezielle Färbung des Buteo ist dabei schon behilflich und lässt es vor oder direkt neben einem ähnlich erscheienden Busch mit diesem annähernd verschmelzen. Ein Tarnnetz über dem Zelt kann den Effekt noch erhöhen, wenn man etwas abgestorbene Vegetation in das Netz steckt und so die runde Form des Zeltes zusätzlich auflöst. Das ist bei aufmerksamen Tieren nützlich, hält uns aber vorallem andere Menschen fern. Nichts ist schlimmer, als wenn sie gerade das Bild des Tages machen möchten und plötzlich neugierige Passanten auftauchen und das Motiv verscheuchen. Wer schon einmal im Tarnzelt mit Steinchen beworfen wurde oder das Zelt schnell verlassen und sich erklären musste, um den Anruf beim SEK zu verhindern, wird eine weitergehende Tarnung zu schätzen wissen.

Viel Platz für die Ausrüstung und ein Nickerchen zwischendurch.

Sehr zu schätzen weiß ich mittlerweile den großzügigen Raum des Buteo Zwei-Personen- Tarnzelts. Da ich in „Wildlife- Umgebung“ sehr gerne im Dunkeln ins Tarnzelt verschwinde, lege ich mich auch gerne noch ein wenig auf`s Ohr. Isomatte auf den Boden, Schlafsack drüber, und dann wird sich lang gemacht. Was hier wirklich ganz gut geht. Mit meinen 178 cm Körperlänge hatte es fast etwas gemütliches. Kein Vergleich zu den Nächten und Tagen in meinem selbstgenähten Tarnzelt auf dem folgenden Bild. Auch wenn man den ganzen Tag im Zelt zu verbringen gedenkt, ist es ein Segen, die Beine zwischendurch einmal (oder auch mehrfach) richtig ausstrecken und sich mal ablegen zu können.

Wie hab ich da denn bloß mal reingepasst?

Der geräumige und praktische Eingang ist nicht nur aufgrund meiner fortgeschrittenen körperlichen Abnutzung wegen angenehm. Schnell ist das Equipment eingeladen und im Zelt aufgestellt und ausgebreitet und man schnell von der Bildfläche verschwunden. So wie es sein soll.

Neben der Tatsache, dass die Schwäne in einer Kulturlandschaft wenig empfindlich auf neu in der Gegend herumtehende Elemente reagieren ist sicher auch die praktische Handhabung des Tarnzelts ein Grund für die entspannte Reaktion der Vögel auf meine Anwesenheit.

Die Vögel zeigten am Morgen keinerlei Beunruhigung und behielten den Abstand bei.
Der Abflug der Singschwäne zu den Äsungsflächen ist immer ein besonderes Schauspiel und lohnt den Ansitz allemal.

Neugierig war ich, wie gut ich vom Tarnzelt aus mit fliegenden Schwänen klar kommen werde. Die vielen sinnvoll angebrachten Sichtfenster ermöglichten es, jede spannende Situation rechtzeitig zu erkennen. Der Schwenkbereich ist vollkommmen ausreichend, um auch seitlich Stattfindendes ins Visier nehmen zu können.

Ein Busch der zu weit im Wasser stand, um zur Tarnung herangezogen werden zu können, bot dann aber Gelegenheit zu etwas anderen Bildern.

Mit der Zeit näherten sich die Vögel sowohl während des Ab- und Vorbeiflugs als auch auf dem Wasser schwimmend mehrfach an. Das zeigte mir, dass sie das Tarnzelt tolerierten. Aufgrund der Größe war ich zunächst etwas skeptisch, was eben diese Toleranz der Vögel anbelangt und ob es sich in die Landschaft einfügt. Ab und an schauten sie doch mal neugierig zu mir rüber. Das lag dann meist daran, dass sie meine Bewegungen hinter der Kamera durch das Objektiv wahrnahmen. Es empfiehlt sich, immer das Auge am Sucher zu belassen, wenn das tierische Motiv dicht herangekommen ist. Will man sich im Zelt bewegen, ergibt es Sinn, die Linse leicht nach unten zu kippen. Im dunklen Inneren des Tarnzelts sind dann Bewegungen nicht auszumachen.

Fazit: Die Größe stellt kein Hindernis dar, bietet aber hingegen Raum und somit Komfort. Der Aufbau ist schnell und unkompliziert. Es passt neben dem Fotorucksack und einem Sitz auch noch Proviant oder Isomatte und Schlafsack problemlos mit hinein. Das macht das Zwei-Personen-Tarnzelt auch für einen einzelnen Naturfotografen interessant. Das Zusammenfalten bedarf etwas Übung, aber der Abbau muss auch meist weniger zügig ablaufen. Sicht und Schwenkmöglichkeiten sind zufriedenstellend. Aufgrund der schwarzen Innenflächen ist es tatsächlich Dunkel im Zelt, sodass Bewegungen der Insassen schwer auszumachen sind. Nachdem ich jetzt schon längere Zeit nicht mehr in meinem kleinen Selfmade-Zelt gehockt habe, werde ich nun wohl wieder öfter ansitzen. Für bestimmte Motive ist das eben die einzige venünftige und erfolgversprechende Arbeitsweise. Um also Mäusebussarde zu fotografieren, kann ich das Buteo letztlich gut empfehlen.

 

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