Von weissen Hasen und runden Bergen

Es ist dunkel, kalt und es regnet unentwegt als ich meine Schuhe anziehe und das Haus verlasse. Ins Auto, dann in die Bahn, ins Flugzeug, in ein Taxi und schließlich in unseren Mietwagen. Zusammen mit Klaus Tamm und Jan Leßmann bin ich so eben in Schottland angekommen und beginne eine zwei Wöchige Tour in die Highlands, genauer gesagt in die Cairngorms.

Unser Plan ist es, hoffentlich im Schnee, die für Schottland typische Tierwelt zu fotografieren. Schnee-, Hasen, Hühner und Ammern haben es uns besonders angetan.
Bereits auf unserem Hinweg beobachten wir aus dem Auto heraus etliche Schneehühner, Rotwild und einen Steinadler in einer für uns nahezu unwirklichen Landschaft. Noch vor wenigen Stunden saß ich im verregneten Dortmund und nun bestaune ich eine nicht enden wollende Aufreihung abgerundeter Bergkuppen. Schroff und lieblich zugleich liegen sie rechts und links der Straße, gehüllt in ein rein-weisses Tuch aus Schnee.

Die ersten Tage rasen dahin. Wir verbringen viel Zeit damit die Berge nach Hasen und Hühnern abzusuchen. Unser Blick muss sich zunächst schärfen um die perfekt getarnten Tiere auszumachen, doch lernen wir schnell. Das Gefühl den ersten Hasen zu entdecken ist überwältigend. Bei nahezu zweistelligen Minusgeraden und Wind sitzt er direkt vor uns. Flach drückt er sich auf den Boden, die Ohren sind angelegt und die Augen zu Schlitzen verengt. Unglaublich – denke ich. Eingepackt in 6 Lagen Funktionskleidung versuche ich der eisigen Witterung zu widerstehen, während das kleine Säugetier mit nichts weiter als seinem Fell und ab und an ein paar trockenen Zweigen und Gräsern als Nahrung auskommt.

Langsam nähern wir uns dem Tier, wohl bedacht es nicht zu verscheuchen. Jede unnötige Bewegung verbraucht hier sehr kostbare Energie. Schritt für Schritt bald kriechend und krabbelnd gehen wir auf Tuchfühlung und nähern uns dem Hasen auf wenige Meter. Die Kameras summen während der Hase sich weiter seinem Mittagsschlaf widmet. Die ersten Bilder sind im Kasten und wir können unser Glück kaum fassen.

Auch die nächsten Tage laufen nicht schlecht. Immer mehr Hasen können wir plötzlich ausmachen, wo wir sie noch vor wenigen Tagen übersehen hätten. Wir fotografieren sie laufend, auf Kuppen als Silhouetten oder im leichten Schneefall der von der Sonne angestrahlt wird.

Neben den Hasen treffen wir immer wieder auf Schneehühner. Sowohl das endemische, sich im Winter nicht Weiss verfärbende, Schottische Schneehuhn, als auch das Alpen Schneehuhn. Laut gurrend fliegen kleine Verbände an uns vorbei. Bereits jetzt sind sie im Balzgeschehen und jagend sich über die Hänge.

Sie am Boden zu erwischen erweist sich als etwas schwieriger. Mit mehr Glück als Verstand finden wir aber auch hier ein paar Tiere, die nicht reiss-aus nehmen und uns schöne Fotomöglichkeiten bieten.

Die Sonne wärmt erstaunlich stark als sie in den folgenden Tagen die Wolken durchbricht. Der Schnee weicht Ihr Tag für Tag etwas mehr. So wohltuend sie auch ist hoffen wir eigentlich nur auf Neuschnee und kalte Temperaturen. In unser zweiten und letzten Woche trifft uns dann endlich ein Strom kalter, sibirischer Luft. Die Temperaturen fallen, alle Gewässer frieren nach und nach zu. Besonders beeindruckend ist es für mich einem breiten Fluss im Tal jeden Tag dabei zuzuschauen, wie er vom Eis erobert wird. Noch beeindruckender jedoch ist ein kleiner brauner Vogel, der sich unentwegt in die eisigen Fluten stürzt um nach Nahrung zu suchen. Wasseramseln haben es mir sowieso schon angetan, sie aber in diesen Eisigen Gefilden zu beobachten lässt meine Ehrfurcht nur noch tiefer werden.

Nur noch einen ganzen Tag und wir müssen Schottland schon wieder verlassen. Der Wecker klingelt und wir stehen auf. Klaus war mal wieder vor Jan und mir auf den Beinen und die Wohnung riecht bereits nach frischem Kaffe als ich die Vorhänge zur Seite schiebe. Der Anblick einer etwa 2cm dicken Schneedecke hat mich selten so erfreut wie an jenem morgen. Fast hektisch ziehen wir uns an und begeben uns zurück zu den Hasen. Wir fotografieren den ganzen Tag, wenn auch die Aktivität der Hasen deutlich geringer ist als an den Tagen zuvor. Wir beobachten Sie dabei, wie sie sich einschneien lassen und immer schwieriger auszumachen sind.

Es beginnt zu dämmern, das Schneegestöber hält unentwegt an und wir entscheiden uns zurück zur Wohnung zu fahren um die Heimreise vorzubereiten. Diese wird zu einem ganz eigenen Abenteuer. Kurz ausgedrückt: 58 Stunden, Schneechaos, Sommerreifen, keine Flugzeuge, neuer Leihwagen, keine Fähre, keine Züge und 2 zusätzliche Nächte in Großbritannien und Frankreich.

Technik:

Canon EOS 1DX, EOS 5D Mk IV, 400 2.8 L IS USM II, 1,4x III, 2,0x III, 70-200 4 L IS USM, Tamron 15-30 2.8

Hermann Hirsch

Hermann Hirsch

Die Naturbegeisterung hat Hermann in die Wiege gelegt bekommen.
Seit nunmehr 9 Jahren fotografiert er die Natur sowohl heimatnah als auch in vielen
europäischen Ländern.
Dabei ist es ihm ein besonderes Anliegen, anderen Menschen die Augen für die
heimische Natur zu öffnen. Er ist der Meinung, dass Naturschutz nur dann funktionieren
kann, wenn die Menschen wissen, wofür sie einstehen sollen.
Hermann Hirsch

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