Falterwetter

Neben den Krähen gibt es auch andere Gründe, die Halde Haniel an der Stadtgrenze Bottrops zu Oberhausen ab und an zu erklimmen. Dieses Jahr war der Schwalbenschwanz eine besondere Attraktion.Morgens wie Abends ist die Atmosphäre so hoch über dem Ruhrgebiet schon was besonderes. Von dem emsigen Treiben unten sieht man kaum etwas und auch die daraus resultierende Geräuschkulisse kommt angenehm gedämpft am Haldengipfel an. Man kann sich einfach an den Rand setzen und schauen. Und dabei auch mal die Zeit verlieren. Da ich aber gerade um die Mittagszeit hier raufgekommen bin, macht sich Beschaulichkeit in mir nicht so recht breit. Dafür schwitze ich schlichtweg zu sehr, denn die Sonne brennt. Wie sie es in diesem Sommer eben so macht. Natürlich ist es recht idiotisch, sich bei diesen Bedingungen hier rumzutreiben, aber am Morgen flog in der Innenstadt ein Falter vor meiner Windschutzscheibe her, der mir irgendwie nach Schwalbenschwanz aussah. Und da diese Großschmetterlinge an den Ruhrpotthalden immer wieder mal auftauchen, wollte ich wissen, ob sie auch auf meiner Lieblingshalde fliegen. Und das taten sie. Sechs Falter flatterten am Westhang herum. Na denn. Fototasche packen und am Abend wieder hoch.

So saßen die Falter am Morgen in der trockenen Vegetation am Osthang der Halde. Sie zeichneten sich erstaunlich deutlich vor dem hellen Himmel ab.

Diesen Plan setze ich auch um. Nur war mittlerweile der Wind stärker geworden und der Hang schon zum Teil beschattet. Von den Faltern fehlte jede Spur. Etwas enttäuscht nehme ich nun doch am Rand des Kohlehaufens Platz und wartete ein wenig ab, ob sich nicht doch noch was tut. Und siehe da, ein Schwalbenschwanz fliegt kurz und recht dicht über die trockene Vegetation und setzt sich sogleich wieder hin. Langsam nähere ich mich der Stelle, an der er sitzen muss. Und staune nicht schlecht, als ich gleich zwei in trauter Eintracht nebeneinander finde. Sofort hole ich die Kamera raus und habe im nächsten Moment mein allererstes Schwalbenschwanz-Foto überhaupt. Mit diesem ersten, unter großer Euphorie entstandenem Foto ist es wie mit den meisten dieser Art: für mich persönlich ein toller Moment. Muss aber weder hier noch sonstwo gezeigt werden.

Mehrere Doldengewächse waren die dominierende Pflanzengruppe, da sie wohl mit den Temperaturen und der Trockenheit am besten auszukommen scheinen. Ob noch Blätter für die Raupen da sein werden, bleibt abzuwarten.

 

Lange Licht habe ich nicht mehr. Und das dichte Gewirr aus trockenen Grashalmen macht die Fotografie hier nicht einfach. Ohne zufriedenstellendes Bild steige ich abwärts, werde aber Morgen früh wieder da sein.

Im Dämmerlicht Schmetterlinge zu suchen ist so eine Sache. Die zwei von gestern Abend haben ihren Sitzplatz wohl noch mal gewechselt, denn ich treff sie nicht an. Also lege ich mich flach auf den Boden und suche das Gras gegen den Himmel nach auffälligen Silhouetten ab. Und das ist erfolgreicher als ich selber erwartet hatte. So komme ich jetzt doch so langsam zu etwas brauchbareren Bildern als am Abend zuvor. Mir fällt aber auf, dass die Tiere schon ein wenig „abgeflogen“ sind, wie es so schön heißt, wenn die Farben nachlassen und sich einige Macken in den Flügeln abzeichnen. Dann weiß man, dass die Falter nicht mehr die Jüngsten sind und ihre Zeit bald rum sein wird. Ich hätte also etwas eher hier hochkommen sollen.

Das Morgenlicht brachte nicht nur warme Farben. Es wurde auch einfach tatsächlich schnell warm auf der Halde und die Falter dementsprechend zügig aktiv.
Selten einmal setzte sich einer auf eine so exponierte Position wie auf diesen Natternkopf. Dieser tat es auch nur, weil er vorzeitig aufflog und eine Zwischenlandung vornahm, nachdem er vor einer zu hastigen Bewegung meinerseits erschrak, als ich einmal mehr den Hang abrutschte.
Die Vegetation kann hinderlich sein oder ein Bild bereichern. Ersteres kommt öfter vor.

Bei dem Wetter in diesem Sommer wäre es eigentlich ein Leichtes gewesen, eher und von alleine auf die Idee zu kommen, nach den Schwalbenschwänzen Ausschau zu halten. Denn während auf meinem Balkon sogar die Ameisen und Blattläuse von der Sonne und der ausbleibenden Feuchtigkeit nach und nach dahingerafft wurden, zeigten sich einige Großschmetterlinge etwas zahlreicher als etwa im Jahr zuvor. So flogen bei uns an schattigen Waldrändern und den verbliebenen Bachläufen etwa Kaisermäntel in großer Zahl. In einigen Gesprächen mit befreundeten Naturfotografen kam heraus, dass gerade der Schwalbenschwanz in diesem Jahr in vielen Regionen anzutreffen war. Er mag es ja eher warm.

Der Sonnenaufgang war immer schnell vorbei und windig. Mit Kraftwerk im Hintergrund ist die Aufgabe für das nächste Jahr.
Die Falter setzten sich oft auf offene Bodenflächen, wo vielleicht wärmere Temperaturen herrschten und sie recht windgeschützt waren.
Gegen das Licht kommt die volle Schönheit der Tiere zur Geltung.

In den folgenden Tagen bin ich noch ein paar Mal hochgegangen, um Schwalbenschwanz, Krähe und Ödlandschrecke zu fotografieren. Dabei wich die anfängliche Freude über meinen Fund zunehmend der Sorge über die weitere Entwicklung dieses Sommers. Denn Blüten, an denen die Falter oder andere Insekten saugen könnten, waren Mangelware. Das Gras komplett trocken. Und bei jedem Schritt auf dem Weg durch den Haldenwald knirschten vertrocknete Blätter auf dem Boden. Herbst am Ende des Juli. Da die Falter bald ihren Flug einstellen werden, entschloss ich mich, beim nächsten Haldenbesuch den Aspekt der Trockenheit in den Vordergrund zu stellen.

 

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