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Der Uhu – König der Nacht

Es ist ein schrecklich schönes Schaudern was mich überfällt, als ich wieder den Ruf von der gegenüberliegen Felswand höre. Seit einigen Stunden sitze ich nun bereits im Steinbruch und warte auf den Einbruch der Nacht.

Dark Angel ©Kevin Winterhoff

Während der Mond am dunkelblauen Nachthimmel aufgeht, höre ich immer wieder den weit entfernten Ruf des Männchens. Ein dumpfes, abfallendes „UUUhhhouu“ durchdringt das Tal. Nicht laut, eher stumpf, aber man hört es bis zu 4 Kilometer weit. Genau für diese Momente bin ich draußen um Natur zu erleben, denk ich.

König der Nacht ©Kevin Winterhoff
Uhus haben einen stechenden Blick ©Kevin Winterhoff

Der Uhu nimmt mich seit Jahren gefangen. Ich kann nicht anders, als die mir bekannten Brutplätze jedes Jahr zu kontrollieren. An einem alten, sehr erfolgreichen Brutplatz brüten sie auch dieses Jahr wieder. Drei kräftige Junge schauen aus der Felswand herunter und rufen mit ihrem heiseren Krächzen nach Futter. Sie animieren die Mutter damit zur Futtersuche und es dauert auch nicht lange, bis das Weibchen aus ihrem Tageseinstand abstreicht und in die Nacht fliegt.

Junge Uhus in der Steilwand ©Kevin Winterhoff
Die Mutter bringt Beute ©Kevin Winterhoff
Diesen Krallen entkommt man nicht ©Kevin Winterhoff

An vielen verschiedenen Orten konnte ich mittlerweile den Uhu bei mir nachweisen. Ich sah ihn an Brutplätzen, bei der Futtersuche und beim nächtlichen Ansitz auf Kahlschlagflächen im Wald. Egal wo ich ihn sah, es war immer ein faszinierender Anblick. Eine große, kräftige, schwarze Silhouette, die zwei Ohrfedern – so sieht nur ein Uhu aus.

Unvergleichliche Silhouette ©Kevin Winterhoff

Die Jungen sind mittlerweile schon einige Monate alt, fliegen können sie längst ausgezeichnet. Einzig bei der Landung wird manches Mal deutlich, dass dort in der Luft ein Anfänger am Werke ist. Manches Mal wird eine mickrige Bonsai-Birke für einen stabilen Ansitz gehalten, sodass sich diese bereits bei der Landung schwer beugt. Oder ein Abhang wird für einen geeigneten Landeplatz gehalten, welcher sich doch als so tückisch herausstellt, das sofort durchgestartet werden muss.

Junguhu mit Beute ©Kevin Winterhoff

Es ist einfach ein Genuss den jungen Uhus bei ihrem Aufwachsen zuzusehen. Wer es einmal gesehen hat, diesen jugendlichen Spieltrieb, das Interesse an allem Neuen und dieses lustige rhythmische Wackeln mit dem Kopf, welches einen permanent an einen Wackel-Dackel erinnert, der wird genau wie ich, auch jedes Jahr rausgehen und wieder nach unserer größten heimischen Eulen Ausschau halten.

Junguhu bei Flugstunden ©Kevin Winterhoff
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Geheimnisvoller Nachtjäger ©Kevin Winterhoff

 

Kevin Winterhoff

Kevin Winterhoff

Es war mein Vater, der mich zur Fotografie brachte. Im Alter von 13 Jahren kaufte ich mir eine gebrauchte Nikon F50. Sie war mein ganzer Stolz.

Durch die Hilfe vieler anderer Naturfotografen fing ich an, meine Fotografie zu verbessern. Im Alter von 18 Jahren, begann für mich mit der Nikon D200 die digitale Fotografie. Wachsende Kenntnis über die Natur und häufiger Einsatz der Technik führte zu einer deutlichen Verbesserung in meiner Fotografie.
Für mich bietet die Naturfotografie die Möglichkeit kurze Augenblicke voller zerbrechlicher Schönheit zu konservieren und diese anderen näher zu bringen. Mit meinen Naturfotografien versuche ich daher bei anderen eine Begeisterung für die Natur hervorzurufen.
Kevin Winterhoff

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