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Erst wir, dann der Bagger!

Nachdem im letzten Jahr die Heilstätten Beelitz an verschiedene neue Eigentümer verkauft wurden, sah es erst einmal so aus als könnten wir nicht noch einmal einen Workshop auf diesem einmaligen Gelände abhalten.

Durch Glück und gute Kontakte durften wir noch kurz vor dem Bagger, also bevor das Gelände der Männerklinik wegen des Umbaus nicht mehr betreten werden darf, ein letztes Mal in die Gebäude. Am 20.4. nur zwei Tage nach unserem Workshop wurde das Areal komplett gesperrt, da die Gebäude saniert werden.

Bei der Ankunft auf dem Gelände konnten wir schon eine deutliche Veränderung wahrnehmen. Wo vorher ein eher windiges Tor den Eingang zum Gelände lediglich erschwerte, stand nun einer der vielen breitschultrigen Securities, die seit Start der Bauarbeiten rund um die Uhr das seit kürzlich gut umzäunte Gelände bewachen. Dieses Mal sollte es also zu keinen unerwarteten Begegnungen mit fremden Menschen in den hintersten Winkeln der Gebäude kommen und vermutlich würde uns dieses Mal auch niemand Prügel androhen wenn wir die Türe nicht sofort öffnen würden. Das waren ja schon mal gute Grundvoraussetzungen für einen Workshop mit entspannter Stimmung!

Die neuen Eigentümer haben bereits mit den Umbaumaßnahmen begonnen und die sogenannten Russenwände – also die Wände, die während der Besetzung ab 1945 nachträglich eingezogen wurden – entfernt. Ebenfalls wurden all die Bretter entfernt, mit denen die zahlreichen Fenster und Türen vernagelt worden waren um Vandalen am Betreten der Häuser zu hindern.                                           Wo beim letzten Mal noch dunkle Flure eine Kulisse für Horrorfilme boten, leuchteten uns diesmal helle lange Gänge entgegen. Was für eine Veränderung!                                                                                                        Der Disneylandeffekt, von dem Guide Andreas von Go2Know immer erzählt hatte, wurde nun endlich nachvollziehbar. Da Tuberkulose Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht medikamentös geheilt werden konnte, setzten die Betreiber der Klinik auf den Heilungseffekt durch Erholung. Daher wurden die Gebäude so herrlich gestaltet.

Den Anfang des Workshops machten wir im Badehaus. Beim Betreten blieb uns allen die Spucke weg so beeindruckend war die Kulisse. Die neuen Eigentümer haben bereit den abgeblätterten Putz entfernt und die gesamten Gebäude mit Ausnahme weniger Räume besenrein gefegt.

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Auch dieses Mal hatte Petrus es gut mit uns gemeint und uns schönen Sonnenschein beschert, der nur ab uns zu durch kleinere Wolken unterbrochen wurde. Die Lichtpausen nutzen wir zur Vorbereitung der jeweiligen Location und Einstellung der Kameras. Leider hatte Petrus vergessen die Heizung aufzudrehen und so war der Workshop mit Ausnahme der Pausen im Pförtnerhaus eine eher kalte Angelegenheit.                                                                                               Unser Model Janis störte sich zum Glück wenig an der Kälte und posierte souverän in verschiedenen Abendkleidern und sogar im Ballett Tutu.

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Im zweiten Haus, dem Pavillon der Männerklinik, setzten wir das Model im wunderschönen available light in Szene. Das Fenster der Turnhalle war dabei im wahrsten Sinne ein besonderes Highlight.

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Lustig wurde es in der Dusche, diese war wie das Zimmer mit dem Klavier, einer der wenigen Räume, die noch nicht entrümpelt und gesäubert wurden. Dort fanden sich neben einer Menge Spinnweben auch noch Spuren nächtlicher Einbrüche in das Gebäude, die der allgemeinen Erheiterung dienten.

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Zu guter Letzt wechselten wir noch in ein weiteres Gebäude, das so genannte Alpenhaus. Dieses Gebäude gehört zu den Frauen-Lungenheilstätten und ist eine Ruine, es war bei schweren Kämpfen zu Zeiten des zweiten Weltkrieges ausgebrannt und ist extrem vom Vandalismus gezeichnet. Nur ein Treppenhaus ist noch stabil genug um es zu betreten und bei manchen Aufgängen darf immer nur eine Person auf die Treppe steigen.                                                                                Die Natur hat sich im Laufe der Zeit einen Teil des Gebäudes zurückerobert, in einigen Zimmer wachsen Schlingpflanzen und Bäume und auf dem Dach des Gebäudes wächst sogar ein richtiger Wald. Die Bäume, die mittlerweile eine stattliche Größe haben, sind teilweise durch die Bettgestelle der Krankenbetten gewachsen.

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Wie bei jedem Beelitz-Besuch ließen wir den Abend im Pförtnerhaus bei leckerem Essen in geselliger Runde ausklingen.

Da sich nun die Polizei wieder in Beelitz sehen lässt, um dem massiven Vandalismus den Gar auszumachen, waren die Wirtsleute diesmal wesentlich entspannter. Und für uns alle war es eine Freude dieses Mal nicht mit ansehen zu müssen, wie die gerade noch mit Faszination und Freude erlebte Location zum Schauplatz sinnloser Zerstörung wird.

Petra Selbertinger

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