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Ein Bild entsteht – Die Schleiereule

Eulen üben schon seit Langem eine besondere Faszination auf mich aus. Ihre heimliche Lebensweise, ihr elegantes Auftreten und die Stimmung, die sich an den Abenden bei ihnen ergibt, ist jedes Mal wieder beeindruckend. Eine Eule hatte ich schon länger auf der Wunschliste und jetzt sollte sich eine Chance auftun sie zu erwischen – die Schleiereule. Es kam allerdings mal wieder alles etwas anders als erwartet.

Im April konnte ich tagsüber für einen kurzen Moment einen Vogel im Gegenlicht sehen, der für mich aussah wie eine Schleiereule. Da an der Stelle aber auch Turmfalken brüteten, tat ich sie im Nachhinein als Turmfalken ab und dachte nicht weiter darüber nach. Später im Jahr erfuhr ich von Freunden, dass in einem Schuppen am Stadtrand Schleiereulen Junge hätten, direkt neben den Turmfalken. In dem Moment war mir natürlich sofort klar um welchen Schuppen es sich handelt. Meine Augen hatten mir anscheinend einige Wochen vorher keinen Streich gespielt. So kam es also, dass ich abends des Öfteren mit dem Fahrrad in Richtung Felder fuhr, um an besagtem Schuppen anzusitzen.

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Ein Schuppen am Stadtrand dient den Schleiereulen als Brutplatz. Neben ihnen zogen Turmfalken ihre Jungen groß, die bereits ausgeflogen waren.

Mir war bewusst, dass Schleiereulen deutlich später mit ihrer Aktivität beginnen als viele andere Eulenarten. Die ersten Ansitze waren schön, aber für geeignete Fotos war es noch zu weit und die Vögel hatten keine Eile dabei aus den Tagesschlafplätzen zu kommen.

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Ein Ansitz am Rand der Wiese. Für gute Fotos war es noch zu weit.
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Erst im letzten Licht beginnen die Eulen so richtig aktiv zu werden. EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III, bei 1/2 sek | f5,6 | ISO 25600 | -1,7
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Bei fortgeschrittener Dämmerung lassen sich spannende Momente beobachten. EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM, bei 1/200 | f4,5 | ISO 25600 | -1

Nachdem ich mehrfach zum Beobachten bei ihnen war, konnte ich ihr Verhalten und ihre Reaktionen auf mich ganz gut einschätzen. Aus diesem Grund wagte ich eines Abends einen Ansitz direkt vor ihrem Schuppen. Dazu habe ich einfach eine Plane genommen, die schon seit einiger Zeit auf der Wiese lag. Die einfachen Lösungen sind häufig die besten, weshalb ich mich entschied sie einfach durch einige Stöcke aufzustellen und so einen festen Ansitz zu bekommen.  Soweit so gut! Das Problem daran war, dass hunderte Mücken dort hineinkamen, aber keine von ihnen auch wieder herausflog. Jetzt hieß es also ausharren und Blutsauger wegpusten.

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Nach Absprache mit dem Eigentümer baute ich mir einen Ansitz aus einer Plane, die dort ohnehin schon lag.
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Warten auf die Schleiereulen.

Trotzdem hatte ich mir die Ergebnisse irgendwie konstanter erwartet. Mal blickten sie schon um halb 9 aus ihrem Loch, während man nicht im Versteck war, und an einem anderen Tag passierte vor 10 Uhr gar nichts. So kam es, dass ich bei vier von fünf Ansitzen leer ausging und ohne Bilder wieder heimfuhr. Irgendwann kamen sie allerdings auch mal bei etwas Licht an den Eingang und ich kam zu meinen gewünschten Aufnahmen.

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Endlich! Das gewünschte Foto einer Schleiereule. EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III, bei 1/50 | f5,6 | ISO 2000, © Jan Piecha

Auch wenn ich häufig ohne die erhofften Fotos nach Hause fahren musste, war die Stimmung vor Ort immer wieder gut. Elegante Flugmanöver aus nächster Nähe und die Bettelrufe der Jungen ergaben eine tolle Stimmung vor dem roten Abendhimmel. In einer angrenzenden Kleingartenanlage rufen zurzeit zusätzlich noch mehrere junge Waldohreulen, um das Gesamtpaket perfekt zu machen. Es lässt sich daher immer wieder viel erleben an der Eulenwiese. Die Kombination aus dem neuen 500er und der EOS 5D III liefert zum Glück auch bei wenig Licht hervorragende Ergebnisse.

Jan Piecha

Jan Piecha

Jan Piecha

Mein Name ist Jan Piecha (*1990) und ich bin Naturfotograf. Das kommt vermutlich daher, weil ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen bin, wo man auch mit extrem viel Mühe der Natur nicht aus dem Weg gehen könnte.
Vor vielen Jahren bekam ich von meinen Eltern eine erste Digitalkamera zum Geburtstag, die ich vorzugsweise in der Natur ausprobiert habe. Aus den Versuchen wurde ein Hobby und aus dem Hobby eine Leidenschaft. Besonders gerne fotografiere ich Vögel und Säugetiere, da die Herangehensweise an diese Arten immer wieder aufs Neue spannend ist und auch mal Action geboten wird. Dabei arbeite ich gerne an Geschichten zu Arten oder Gebieten und nicht nur am einzelnen Bild.
Obwohl mir die Motive vor der Haustür am liebsten sind, genieße ich es auch komplett neue Gegenden in fernen Ländern zu erschließen. Annähernd jede Art fehlt noch im Archiv und man kann sich ganz von neuem austoben. An den Bildern und Erinnerungen solcher Touren kann ich mich noch Jahre später erfreuen.
Jan Piecha

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