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~ Leben im Kornfeld ~

Aufgewachsen in einer ländlichen Gegend des östlichen Niedersachsens, war ich mit der Kamera von Anfang an in den Feldern unterwegs. Vor allem Kornfelder haben es mir angetan, weil das reife Getreide den Bildern zu warmen Farben verhilft  und es irgendwie was von Heimat hat. Wenn man sie nicht weiter beachtet, könnte man meinen sie wären leer. Bei genauerem Hinsehen lassen sich aber allerhand Motive darin entdecken.

Im Winter sind viele Felder bereits bestellt und das Korn bildet einen grünen Teppich in der Landschaft. Die Wildtiere halten sich während dieser Zeit häufig im Wald auf und sind nur selten auf den offenen Flächen unterwegs, weil sie wenig Deckung bieten. Das Rehwild hingegen fühlt sich inmitten der riesigen Felder sehr wohl, weil sie dort den Überblick behalten können. Das stellt den Tierfotografen immer wieder vor eine knifflige Herausforderung, weil es sehr schwer ist sich den Tieren unbemerkt zu nähern. Deshalb bietet es sich an Objektive mit viel Brennweite zu nutzen. Vor allem die neuen Versionen des Canon 500mm/f4 und Canon des 600mm/f4 sind freihand sehr gut zu benutzen, da sie relativ leicht sind und gute Bildstabilisatoren haben.

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Im Winter fehlt die Deckung, weshalb auch die selten gewordenen Rebhühner sich beobachten lassen. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III
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Die Kornfelder bilden im Winter bereits grüne Flächen. Mit etwas Glück lassen sich da auch seltene Motive, wie dieses schwarze Reh finden. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III
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Die aufgehende Sonne sorgt für das richtige Licht. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III

Im Frühsommer beginnen die Kornfelder zu sprießen und die Tiere nutzen sie zunehmend als Unterschlupf. Für Wildtiere ist es in der Regel noch nicht hoch genug, weshalb sie eher in den Rapsfeldern stecken.

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Auch Singvögel wie diese Wiesenschafstelze halten sich gerne in den Feldern auf. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III

Wenn der Sommer so richtig in Fahrt ist beginnen die damit Kornfelder sich umzufärben und machen deutlich, dass es Sommer ist. Ich genieße es jedes Jahr an lauen Sommerabenden in den Feldern unterwegs zu sein und nach ein paar Rehohren Ausschau zu halten. Jetzt beginnt das Katz- und Mausspiel, bei dem es darum geht sich unbemerkt zu nähern. Die besten Chancen bietet dabei stürmisches Wetter mit viel Wind. Das reife Getreide sorgt für ein anhaltendes Rascheln und schluckt die Geräusche des Fotografen komplett. Die Pirsch verläuft dadurch um ein vielfaches schneller. An windstillen Abenden, wenn das Getreide so richtig schön trocken ist, heißt es Geduld mitzubringen. Jeder Schritt muss überlegt sein, weil die Rehe das rascheln schnell mitbekommen. Es sollte zudem immer darauf geachtet werden sich gegen den Wind an die Tiere heranzuschleichen. Sollten sie Wind von einem bekommen und die menschliche Witterung aufnehmen, hat sich die Sache schnell erledigt.

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Ein typisches Sommermotiv. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 17-40mm f/4L USM
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Bei genauerer Betrachtung lassen sich in den Kornfeldern einige Motive finden. © Jan Piecha, EOS 7D + Canon EF 100-400mm L IS USM
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Wenn alles klappt, ergeben sich im Getreide schöne Rehportraits. © Jan Piecha, EOS 400D + Canon EF 100-400mm L IS USM
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In Damwildgebieten können mit etwas Glück sogar Hirsche im Kornfeld beobachtet werden. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III

Im August gibt es mit der Mahd des Getreides den nächsten Umbruch in der Kulturlandschaft. Überall sind die Mähdrescher Tag und Nacht unterwegs und die Tiere müssen sich an die neue Situation gewöhnen. Während Rehe und Hirsche eher in Bereiche mit höherer Vegetation umziehen, beginnt für die Füchse eine gute Zeit. Sie nutzen die Stoppeläcker zur Nahrungssuche, weil den Mäusen die Deckung genommen wurde. Für den Naturfotografen ergeben sich dadurch im Spätsommer noch einmal interessante Möglichkeiten Meister Reinecke zu fotografieren.

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Wenn die Felder gemäht werden, müssen die Tiere sich erst einmal umstellen. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 17-40mm f/4 L USM
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Im August können bereits die ersten herbstlichen Nebelmorgen entstehen. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III
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Die Stoppelacker sind Anziehungspunkte für Füchse, da sie dort gut auf Mäusejagd gehen können. © Jan Piecha, EOS 5D III + Canon EF 500mm f/4L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III
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Während der Brunftzeit des Rehwilds sind auch sie öfters auf den Stoppelackern zu sehen. © Jan Piecha, EOS 400D + Canon EF 100-400mm L IS USM

Kornfelder bieten saisonal immer wieder interessante Möglichkeiten. Auch wenn sich die Motive mit der Zeit häufig wiederholen, zieht es mich immer wieder raus in die Felder. Im Herbst lässt sich anschließend auf ein schönes Portfolio zurückblicken, woran man sich noch lange erfreuen kann.

Jan Piecha

Jan Piecha

Jan Piecha

Mein Name ist Jan Piecha (*1990) und ich bin Naturfotograf. Das kommt vermutlich daher, weil ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen bin, wo man auch mit extrem viel Mühe der Natur nicht aus dem Weg gehen könnte.
Vor vielen Jahren bekam ich von meinen Eltern eine erste Digitalkamera zum Geburtstag, die ich vorzugsweise in der Natur ausprobiert habe. Aus den Versuchen wurde ein Hobby und aus dem Hobby eine Leidenschaft. Besonders gerne fotografiere ich Vögel und Säugetiere, da die Herangehensweise an diese Arten immer wieder aufs Neue spannend ist und auch mal Action geboten wird. Dabei arbeite ich gerne an Geschichten zu Arten oder Gebieten und nicht nur am einzelnen Bild.
Obwohl mir die Motive vor der Haustür am liebsten sind, genieße ich es auch komplett neue Gegenden in fernen Ländern zu erschließen. Annähernd jede Art fehlt noch im Archiv und man kann sich ganz von neuem austoben. An den Bildern und Erinnerungen solcher Touren kann ich mich noch Jahre später erfreuen.
Jan Piecha

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