Costa Rica im künstlerischen Blickwinkel – mit dem Canon RF 100–500/4.5-7.1 © Raphael Christoph

Costa Rica im künstlerischen Blickwinkel – mit dem Canon RF 100–500/4.5-7.1

Ein Gastbeitrag von Raphael Christoph

Diesen Sommer unternahm ich eine Reise in das Traumland für Naturfotografen, Costa Rica.

Costa Rica mag wohl eines der beliebtesten Reiseziele für Naturbegeisterte darstellen. Es gibt unzählige Bücher und Reiseführer, bestückt mit beeindruckenden Naturaufnahmen aus dem Land. Sie geben uns durch ihre dokumentarischen Darstellungen Einblick in den Reichtum der Natur Costa Ricas. Die naturgetreue Abbildung durch die Fotografie hat viele Qualitäten, doch das Potential der Fotografie geht weit darüber hinaus. Sie besteht nicht nur in der reinen objektiven Darstellung der Wirklichkeit, sondern kann ein Mittel sein, Gefühle und Stimmungen einzufangen.

Costa Rica im künstlerischen Blickwinkel – mit dem Canon RF 100–500/4.5-7.1 © Raphael Christoph
Costa Rica im künstlerischen Blickwinkel – mit dem Canon RF 100–500/4.5-7.1 © Raphael Christoph

Links: Tauchflug, 70 mm, 1/2000 s bei f4, ISO 250

Mitte: Farbenflug, 400 mm, 1/600 s bei f7.1, ISO 800

Rechts: Sprung, 100 mm, 1/600 s bei f7.1, ISO 125

Mich fasziniert besonders die künstlerische Naturfotografie. Unsere Welt ist so schnelllebig; nur noch große, knallige Momente, die nach unserer Aufmerksamkeit schreien, werden gesehen und gesucht. Viele Menschen zieht es genau aus diesem Grund in exotische Länder, so wie Costa Rica, wo es nahe liegt, die Kamera auf schillernde Vögel und faszinierende Säugetiere zu halten. Auch mich hat es in dieses wunderschöne Land gezogen, doch geht es mir nicht nur dort, sondern auch im Allgemeinen darum, den ungesehenen versteckten Momenten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, welche im Alltag von den meisten gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Costa Rica im künstlerischen Blickwinkel – mit dem Canon RF 100–500/4.5-7.1 © Raphael Christoph

Wachsames Auge; 500 mm, 1/320 s bei f7.,1 ISO 3200

Ich möchte meine Fotos nicht nur aus der Faszination des noch nie Gesehenen machen, sondern um die Schönheit in den Stimmungen und den damit verbundenen Gefühlen zum Ausdruck zu bringen. Dabei versuche ich nicht nur die objektive Beobachtung der Natur zu vermitteln, sondern die wesentliche Atmosphäre – ob die Stärke eines Tieres, den erfrischenden Geruch des Regenwaldes oder die Energie des Bruchteils einer Sekunde. Die Kamera stellt dabei oft nicht nur für meine Mitmenschen eine Möglichkeit dar, einen Moment durch meine Perspektive wahrzunehmen, sondern eröffnet auch mir einen Weg, meine Umwelt bedachter und differenzierter zu entdecken; einen Moment zu finden und diesem die Bedeutung zu gewähren, die ihm zusteht.

Links: Farbenkleid, 500 mm, 1/640 s bei f8, ISO 3200

Rechts: Schuppenlandschaft, 500 mm, 1/1000 s bei f7.1, ISO 1600

Oft bewege ich mich im Raum der Makrofotografie, wobei das bloße Auge kaum imstande ist, das Motiv zu erfassen. Dazu kommt die Vergänglichkeit eines Momentes, der oft nur in einem Bruchteil einer Sekunde seine Schönheit entfaltet.  Jeder Augenblick ist einzigartig und besonders. Die Kamera stellt für mich ein Mittel dar, nach diesen Momenten zu greifen und sie festzuhalten.

Das Canon RF 100–500/4.5-7.1 L IS USM im Einsatz

Für die fotografische Umsetzung war ich sehr glücklich, das RF 100–500 mm Objektiv, welches mir von AC Foto zur Verfügung gestellt wurde, verwenden zu können. Ich hatte die perfekte Symbiose von Technik und verschiedenen Methoden, welche mir die Darstellung meiner Sichtweisen und Perspektiven ermöglichten. Das RF 100–500 mm ist das vielseitigste Objektiv, das ich bisher in der Hand hatte. Es war mir sowohl möglich im Makrobereich zu fotografieren als auch mit den 500 mm Motive formatfüllend aufs Bild zu bekommen, welche weiter entfernt waren. Das hat eine essentielle Rolle gespielt. Ich konnte unglaublich schnell agieren, ohne jedes Mal mein Objektiv wechseln zu müssen und dabei zu riskieren, dass der Sensor durch die hohe Luftfeuchtigkeit beschädigt wird oder ich den Moment während des Objektivwechsels verpasse. Auch die Kompaktheit und das Gewicht waren perfekt geeignet für lange Touren durch den Regenwald. Bei einer neunstündigen Wanderung durch den Regenwald bei 30 Grad, praller Sonne und langen Strandpassagen hat man jedes Kilo im Rucksack gespürt. Ich und mein Rücken waren wirklich dankbar, nur 1,5 kg Objektiv, statt alternative Objektive mit 3 kg schleppen zu müssen. Und auch die nicht so große Offenblende von 7.1 machte mir im dunklen Wald weniger Probleme als gedacht. Die fantastische Bildstabilisation ermöglichte mir, bis zu 2 Sekunden aus der Hand zu fotografieren.

Links: green and black, 70 mm, 1/250 s bei f9, ISO 10000

Rechts: Stille Bewegung, 11 mm, 1/60 s bei f11, ISO 200

Wie Dunkelheit hilft, das Wesentliche hervorzuheben:
Low-Key-Fotografie

Eine meiner liebsten Methoden, die von mir wahrgenommenen Stimmungen bildhaft festzuhalten, ist die Low-Key-Fotografie. Bei der Low-Key-Fotografie überwiegen die dunklen Tonwerte, Licht wird gezielt eingesetzt, wodurch nur die wichtigsten Aspekte sichtbar werden. Das Auge des Betrachters kann so gut auf die essenzielle Bildwirkung gelenkt werden. Beim Fotografieren eines Motivs sticht mir oft direkt ein gewisses Detail ins Auge. Die Umgebung ist dabei mehr störend als eine Bereicherung. Ich versuche die Schönheit eines Details vom ablenkenden Umfeld zu lösen und mit einer Low-Key-Aufnahme die Kraft des Moments hervorzuheben. Beim Prozess des Fotografierens habe ich immer schon eine Vision des Resultats.

Links: Testversuch, 70 mm, 1/100 s bei f11, ISO 800

Rechts: Farbpinsel, 70 mm, 1/100 s bei f13, ISO 250

So auch bei diesem Motiv: Bei einer Wanderpause entdeckte ich diesen nur wenige Millimeter großen Leaf Hopper. Sofort stach mir der durch Lichtbrechung bunt leuchtende Pinsel ins Auge. Ich wollte das Ganze einfangen – hatte die fertige Aufnahme schon vor Augen –, doch das natürliche Licht, die ungünstige Perspektive und der unruhige Hintergrund, wie auf dem linken Bild zu sehen, verfälschen die Wirkung. Das Tier ist zwar erkennbar, doch die Faszination, die mich in diesem Moment ergriff – die leuchtende Farbenpracht, das Strahlen wie ein Feuerwerk – geht in diesem Bild verloren. Um meine Faszination in einem Foto festzuhalten, nahm ich das Foto auf Augenhöhe auf, um die Ungewissheit zu erzeugen, wie groß das Tier wirklich ist. Um die Leuchtkraft des Pinsels zu verstärken und den Hintergrund im Schwarz aufzulösen, nahm ich einen Blitz zur Hand. Nicht nur verstärkt er die Lichtwirkung im Pinsel, auch der Hintergrund geht im Schwarz unter, da die gerichtete Lichtquelle des Blitzes nur das Motiv hervorhebt und der Hintergrund durch den geringen Umgebungslichtanteil ins Schwarze abfällt.                                                                                                                                                                                                        

Kamerafehler als Gestaltungsmittel

Costa Rica im künstlerischen Blickwinkel – mit dem Canon RF 100–500/4.5-7.1 © Raphael Christoph

Schillernder Besucher, 500 mm, 1/2500 s bei f7,1, ISO 1250

In Costa Rica trifft man auf unglaublich viele Kolibris. Diese mit der Kamera einzufangen ist gar nicht so leicht, da sie unglaublich schnell und flink sind. Unser Auge ist kaum imstande, ihnen zu folgen, geschweige denn einen Flügelschlag wahrzunehmen. Wir sind nicht in der Lage, ihre nächsten Bewegungen vorauszusehen oder die Energie zu verstehen, welche hinter jedem Flügelschlag steckt. Zu verstehen, weshalb sie jeden Tag zwischen 500 und 2000 Blüten anfliegen müssen. Uns ist nicht bewusst, was es bedeutet, 40 bis 80 Mal pro Sekunde mit den Flügeln zu schlagen. Diese Fakten kann man googlen, doch wir haben keinerlei Bezug zu ihnen. Genau diese Energie, Schnelligkeit und Vergänglichkeit jedes Flügelschlages versuchte ich darzustellen. Nach einigen Stunden gelang mir das Foto, welches man oben sieht. Doch es transportiert nichts von dem, was mir der Moment gegeben hat. Es ist lediglich das Festhalten dieses Moments, ohne die Energie des Flügelschlags zu veranschaulichen.

Um die von mir gewünschte Bildwirkung zu erzeugen, nutzte ich einen Kamerafehler der Canon EOS R7, der beim Rolling Shutter auftreten kann. Normalerweise liest der Sensor das Bild als Ganzes. Das ist beim Rolling Shutter nicht der Fall. Hier wird das Bild zeilenweise erfasst, wodurch bei schnellen Bewegungen wie beim Flügelschlag eines Kolibris Teile des Motivs verschoben werden oder doppelt erscheinen. Da jeder Flügelschlag so schnell abläuft, war mir bewusst, dass man die Flügelschläge beim zeilenweisen Auslesen sowohl in der oberen Bildhälfte als auch in der unteren festhalten kann. Der Flügel ist schneller als der Prozess des Ablichtens, wodurch man mehrere Flügelschläge in einem Bild einfrieren kann.

Costa Rica im künstlerischen Blickwinkel – mit dem Canon RF 100–500/4.5-7.1 © Raphael Christoph

Flügelschlag, 176 mm, 1/2000 s bei f7,1, ISO 12800

Das waren nur zwei Beispiele, wie meine Bilder entstehen. Jedes meiner Fotos durchläuft einen eigenen Prozess, bei dem mir meist das Resultat, das ich erzielen möchte, schnell bewusst ist, es aber bei der Umsetzung mal gelingt und mal scheitert. Ich möchte möglichst gut die Stimmung des Augenblicks einfangen und dem Betrachter die Möglichkeit geben, sich in das Bild hineinzuversetzen.
Diese Wahrnehmung der Umgebung kann nicht nur in der Fotografie zu schönen Ergebnissen führen, sondern uns auch im Alltag den oft verborgenen Momenten öffnen.

Raphael Christoph

Raphael Christoph, geb. 2007, fotografiert mit Begeisterung seit seinem 6. Lebensjahr. Sein Radius erweitert sich dabei räumlich beständig, von seiner Heimat, dem Würmtal ausgehend, zuletzt bis nach Tansania und Costa Rica.

2024 erhielt der ambitionierte Künstler für seine besonderen Fotografien den Kulturförderpreis des Landratsamtes Starnberg und 2025 wurde er mit dem Günther-Klinge-Förderpreis Gauting ausgezeichnet. Bei „Natur im Fokus” gewann er erste und zweite Preise.

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