Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Ein Paradies für alle Landschaftsfotografen, Island – ein Reisebericht

Ein Gastbeitrag von Mario Heller

Seit seiner ersten Reise 2020 zieht Island den Fotografen Mario Heller in seinen Bann. In wechselndem Licht, zwischen Feuer und Eis, hat er die Insel immer wieder neu entdeckt: im Winter, im Sommer, mit Freunden, mit Familie und allein. In diesem Beitrag erzählt er, wie aus Neugier eine tiefe Verbundenheit wurde und warum Island für ihn längst kein Reiseziel mehr ist, sondern ein Zuhause.

Island – wo ich das Licht fand

Als ich 2020 zum ersten Mal nach Island reiste, war es reine Neugier. Ich wollte spüren, was dieses Land so faszinierend macht, dass es Fotografen aus aller Welt in seinen Bann zieht. Ich träumte von gefrorenen Wasserfällen, klaren Wintertagen, Nächten voller Polarlichter und sanftem Sonnenlicht – und fand all das und noch mehr. Der gefrorene Gullfoss im abendlichen Gegenlicht war ein Schauspiel aus Licht, Eis und Bewegung, als wäre selbst die Zeit kurz eingefroren.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Die Polarlichter in klaren Nächten waren für uns genauso neu, wie schwarze Strände, Gletscher und Geysire. Und am Diamond Beach, wo Eisberge im schwarzen Sand glitzern, stand ich staunend im Wind, während die Sonne sich in tausend Scherben brach. Ich wusste damals noch nicht, dass genau dieses Land mich nicht mehr loslassen würde.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Zwei Jahre später führte mich meine zweite Reise im Sommer 2022 in den Norden und Westen der Insel – und Island zeigte mir ein neues Gesicht. Es war, als hätte jemand die Sättigung aufgedreht: sattes Grün, klare Luft, kräftiges Licht. Am Dettifoss stürzte das Wasser donnernd in die Tiefe, während Wolken und Sonne um die Vorherrschaft am Himmel kämpften. Eine Langzeitbelichtung, die Kraft und Bewegung einfing – und dennoch Ruhe ausstrahlte

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Am Hraunfossar floss türkisblaues Wasser über schwarze Lava – eine Kombination, die man kaum glauben würde, wenn man sie nicht selbst gesehen hat. Diese Reise war betörend schön und hat mir gezeigt, dass Island unendlich viele Gesichter hat – und jedes davon auf seine Weise atemberaubend ist. Vierzehn Tage lang durften wir diese grandiose Landschaft erleben und uns einmal mehr in diese Insel verlieben.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Meine dritte Reise führte mich mit meiner Familie 2023 in den Süden. Ich wollte ihnen zeigen, warum ich dieses Land so liebe warum es mich so tief berührt. Am Skógafoss leuchteten die Berge in sattem Grün, während feiner Nebel wie ein Schleier über den Hängen lag.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

In der Fjaðrárgljúfur-Schlucht blickte ich in eine fast unwirkliche Landschaft, in der das Wasser wie eine Linie aus Licht durch das Moos zog. Diese Reise war weniger Technik und mehr Gefühl – ein geteiltes Staunen, ein Versuch, anderen zu zeigen, was man selbst kaum in Worte fassen kann. Die ersten Polarlichter Anfang September waren ein faszinierendes Schauspiel für uns alle und rundeten diese außergewöhnliche Reise mit der Familie ab.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Der Herbst 2024 stand ganz im Zeichen der Fotografie. Gemeinsam mit Thilo, Peter und Jens vom Fototreff Güstrow reiste ich erneut entlang der Südküste – diesmal ausschließlich, um zu fotografieren. Keine Kompromisse, kein Zufall – nur Licht, Landschaft und Geduld. Am Brúarfoss ließ ich die Kamera mehrere Sekunden lang belichten; das türkisfarbene Wasser floss sanft durch eine goldgelbe Herbstlandschaft, und das Ergebnis wirkte fast surreal.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

In Pakgil, einer grünen Oase zwischen Vulkanfelsen, leuchtete das Moos im Licht der Nachmittagssonne nach einem kräftigen Regenschauer, während Nebelschwaden durch die Täler zogen. Diese Reise hat mir fotografisch neue Wege eröffnet – ich begann, Island nicht mehr nur festzuhalten, sondern es mit anderen Augen zu sehen und bewusst mit Licht und Landschaft zu arbeiten.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Gemeinsam mit den anderen Fotografen experimentierten wir mit unterschiedlichen Einstellungen und Bildaufbauten und tauschten uns eine Woche lang über Fototechnik und unsere Erlebnisse in diesem atemberaubenden Land aus. Zum großen Glück für uns alle zeigten sich an mehreren Nächten die Polarlichter – ein Erlebnis, das diese Reise noch einmal unvergesslich machte.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Dann kam der Frühsommer 2025, und ich bereiste im Monat Juni Neuland – den Osten. Eine Region, leiser vielleicht, aber von atemberaubender Schönheit. Früh am Morgen stand ich vor dem Vestrahorn, dessen dunkle Silhouette sich im nassen Sand spiegelte, während Wolken über die Gipfel zogen. Typisch Island: dramatisch, unberechenbar, vollkommen – und wunderschön.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Der Mjóifjörður – ein Fjord im äußersten Osten der Insel, so still, dass selbst die Möwen leiser riefen. Hier war Island nicht mehr nur spektakulär, sondern erhaben. Ich hatte das Gefühl, endlich an dem Punkt angekommen zu sein, an dem ich nichts mehr suchte – ich war einfach da und dankbar. Wasserfälle, Ruhe, Weite und diese klare Luft – alles vereint an einem Ort. Ich fühlte mich einfach glücklich, so viel Schönheit sehen, erleben und fotografieren zu dürfen.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Wenn ich heute auf all diese Reisen zurückblicke, sehe ich nicht nur Motive, sondern Etappen meiner eigenen Entwicklung. Island hat mich gelehrt, Geduld zu haben – zu warten, zuzusehen, den Moment zuzulassen. Es hat mir gezeigt, dass Licht kein Zufall ist, sondern ein Geschenk. Mit jeder Reise ist meine Verbindung zu dieser Insel tiefer geworden: Aus Faszination wurde Liebe, aus Abenteuer wurde Heimat.
Ich kehre immer wieder zurück – nicht nur, um Neues zu entdecken, sondern um Vertrautes in anderem Licht zu sehen. Island verändert sich mit jeder Stunde, und vielleicht ist genau das der Grund, warum es mich nie loslässt. Wenn ich dort stehe, den Wind im Gesicht und die Kamera in der Hand, dann weiß ich: Ich bin angekommen. Island ist für mich kein Ziel mehr – es ist mein zweites Zuhause. Und es hat mich verändert.

Island – ein Reisebericht (c) Mario Heller

Fotografische Technik

Auf meiner ersten Reise 2020 begleitete mich die Canon M50 leicht, kompakt und ideal für das wechselhafte Winterwetter. Ab der zweiten Reise fotografierte ich mit der Canon R, und auf den Touren drei bis fünf kam zusätzlich die Canon R7 zum Einsatz, besonders für Tiere und feinere Details. Ich arbeite mit Weitwinkelobjektiven für große Landschaften, lichtstarken Festbrennweiten für Sterne und Polarlichter und Teleobjektiven für Tiere oder Ausschnitte, die oft übersehen werden. Unverzichtbar sind für mich ein stabiles Stativ, Wetterschutz und vor allem Zeit für Planung, das Warten auf das perfekte Licht und etwas Geduld für das passende Wetter. Denn Island lässt sich nicht drängen. Es belohnt nur den, der bereit ist, zu warten.

Über Mario Heller

Porträt Mario Heller

Mario Heller ist passionierter Natur- und Tierfotograf aus Mecklenburg-Vorpommern. Seit seiner ersten Islandreise 2020 zieht ihn die raue Schönheit der Insel immer wieder in ihren Bann. Inzwischen hat er das Land in allen Jahreszeiten bereist und fotografiert, von zugefrorenen Wasserfällen über Nordlichter bis zu stillen Fjorden. Seine Arbeiten zeigen, dass gute Landschaftsfotografie weniger mit Technik als mit Geduld, Respekt und Liebe zur Natur zu tun hat. All das Wissen wurde nun in einem ersten Fotoguide über den Süden Islands zusammengefasst und die schönsten 25 Fotospots werden hier vorgestellt.
Über Island hinaus, stehen Landschafts- und Tierfotografie im heimischen Mecklenburg und auf allen Reisen im Fokus seiner Kamera.

Weitere Bilder findet Ihr auf www.mahephoto.de und auf Marios Accounts bei Instagram, YouTube oder TikTok.

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