Ein Gastbeitrag von Dr. rer. nat. Simone Geyer
Vor einem Jahr startete ich mein Herzensprojekt naturnaher Gartenteich. Mich faszinierte, wie viel ökologische Wirkung ein einzelner Garten entfalten kann, wenn man ihn bewusst gestaltet. Als zentrales Element entstand ein kleiner Teich mit flachen Uferzonen, offener Wasserfläche, artspezifischen Pflanzen für Libellen und dichten Randstrukturen für Insekten und Vögel – ein Lebensraum mit klaren Strukturen über und unter Wasser.
Schon kurz nach der Fertigstellung zeigte sich, wie schnell Tiere ein gut gestaltetes Biotop annahmen. Vögel nutzten die flache Uferzone und flach über dem Wasser platzierte Äste zum Trinken und Baden. Rotkehlchen, Eichelhäher, Mönchsgrasmücke und andere plantschten vergnügt, ein Trauerschnäpper nutzte die Uferzone als Ansitz.

Ein Eichelhäher badet vergnügt im Flachwasser des Teiches.

Ein Trauerschnäpper – im Garten eher selten zu beobachten – nutzt die Teichuferzone zur Insektenjagd.
Ab dem Frühjahr diente der Teich vielen Jungvögeln als Kinderstube. Besonders berührte mich eine Kohlmeise, die ihren Ästling fütterte und direkt am Teich nach Nahrung suchte.
Dank der bewussten Entscheidung für ein fischfreies Gewässer siedelten sich im Frühjahr zahlreiche Wasserinsekten sowie Bergmolch Berti schnell an.

Berti Bergmolch nutzt das fischfreie Biotop als Jagd- und Rückzugsgebiet.
Berti nutzte den Teich als Jagd- und Rückzugsgebiet – ein Hinweis darauf, dass sich das Biotop rasch etablierte. Derzeit befindet er sich in der Landphase und wird hoffentlich im kommenden Jahr mit einem Weibchen zurückkehren.
Ende April zeigte sich die Frühe Adonislibelle. Ich konnte Jagdverhalten, Paarung und Eiablage beobachten.

Frühe Adonislibellen bei der Paarung und Eiablage direkt am Teichrand.
Im Sommer entfaltete sich die volle Dynamik der Libellenwelt. Weitere Kleinlibellen wie die Große Pechlibelle und die Hufeisen-Azurjungfer sowie verschiedene Großlibellen, u. a. Vierfleck- und Plattbauchlibellen, nutzten den Teich als Jagdrevier. Von den Ansitzästen am Teichende überblickten sie das Wasser gut.

Ein Vierfleck nutzt den Blutweiderich als erhöhten Jagdansitz.
Die Große Heidelibelle zeigte sich in verschiedenen Entwicklungsstadien. Einmal entdeckte ich ein frisch geschlüpftes Individuum in der Hecke. Die Paarung fand bevorzugt in der angrenzenden Hortensie statt.

Große Heidelibellen paaren sich in der Hortensie.
Ebenso über einen langen Zeitraum beobachtete ich die Blaugrüne Mosaikjungfer. Nahezu täglich patrouillierten die Männchen im Garten und überflogen den Teich. Die Weibchen legten ihre Eier an Strukturen am Teichrand ab, sehr beliebt war eine morsche, bemooste Baumwurzel.

Ein Weibchen der Blaugrünen Mosaikjungfer legt ihre Eier gut getarnt an einer morschen Baumwurzel ab.
Besonders spezialisiert zeigte sich die Große Pechlibelle, die ihre Eier unter Wasser an der Krebsschere ablegte.

Zwei Weibchen tauchen parallel ab und stechen ihre Eier in die Krebsschere ein – ein selten zu beobachtendes Verhalten direkt im Gartenteich.
Die Teichpflanzen boten Libellenlarven und Wasserinsekten Schutz. Wasserläufer huschten über die Oberfläche, kleine Tiere versteckten sich zwischen den Blättern, und vom Blütenstand bis auf den Teichgrund entstanden unterschiedliche Lebensräume.
Auch Schmetterlinge wie der C-Falter, der Kleine Eisvogel und der Kleine Schillerfalter besuchten den Teich, tankten Nektar am Blutweiderich und Mineralien am Teichrand.

Ein C-Falter trinkt Mineralien im feuchten Kies der Flachwasserzone.
Spätherbst und Winter brachten Ruhe in den Teich. Blätter sammelten sich im flachen Wasser, auf der gefrorenen Oberfläche lag ein einzelnes Blatt – das Jahresende wurde sichtbar.

Im Winter ruht der Teich optisch – biologisch bleibt er jedoch weiter aktiv.
Unter der Eisdecke blieb der Teich aktiv: Mikroorganismen tauschten Sauerstoff, und der Bodenschlamm war voller Leben. Selbst im Winter lebte der Teich weiter.
Für die fotografische Dokumentation nutzte ich die Canon EOS R7 mit dem RF 100–400 mm Telezoom. Die Reichweite erlaubte Beobachtungen aus der Distanz, der Bildstabilisator sorgte für scharfe Aufnahmen auch bei leichtem Wind oder unruhigem Wasser, und höhere ISO-Werte halfen bei lichtschwachen Bedingungen. Telebrennweiten reduzierten Störung und ermöglichten natürliche Beobachtungen und Porträts aus der Distanz. Zudem blieb die Ausrüstung leicht genug für den Dauerbetrieb, besonders bei täglich wechselnden Bedingungen am Wasser.
Das erste Jahr zeigte, wie schnell ein gut gestaltetes Kleingewässer zu einem lebendigen Lebensraum wurde. Vögel, Insekten und Berti nutzten die Strukturen und Verhalten, Fortpflanzung, Jagd sowie saisonale Dynamik ließen sich klar beobachten. Der Teich war nicht nur ein Hingucker, sondern das Herzstück eines lebendigen Gartens. Mit jedem weiteren Jahr erwarten mich neue Arten, Interaktionen und Geschichten am Teich, worauf ich mich sehr freue.
Ich bin Dr. rer. nat. Simone Geyer, Biologin mit Leidenschaft für Naturfotografie.
Ich dokumentiere Verhaltensmuster, Entwicklungsphasen und ökologische Veränderungen, die im Alltag leicht übersehen werden. Es bereitet mir große Freude, diese kleinen Naturgeschichten festzuhalten und so die Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Website: https://www.sg-lebensraeume.de/
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Tolle Fotos, sehr interessant.