Basstölpel - Helgoland (c) Robert Sommer

Hochseeinsel Helgoland – immer eine Reise wert

Ein Gastbeitrag von Robert Sommer

Vor fünf Jahren betrat ich zum ersten Mal Deutschlands einzige Hochseeinsel – Helgoland. Seitdem lässt mich dieser besondere Ort nicht mehr los, und so kehre ich immer wieder gerne zurück. Während ich damals allein reiste, um mich ganz der Naturfotografie zu widmen, begleiteten mich dieses Mal meine Frau und mein kleiner Sohn. Natürlich durfte auch die Kamera nicht fehlen – denn gerade auf Helgoland lässt sich ein Familienurlaub wunderbar mit fotografischen Streifzügen verbinden, ohne dass jemand zu kurz kommt.

Die Insel ist seit jeher ein Anziehungspunkt für Naturfreunde und Ornithologen: Rund 250 Vogelarten lassen sich dort jedes Jahr beobachten – insgesamt wurden sogar über 400 Arten nachgewiesen. Besonders die eindrucksvollen Basstölpel haben die Faszination für Helgoland in den letzten Jahren noch einmal deutlich verstärkt.

Die Vögel brüten direkt an den Klippen – inzwischen sogar so nah am Zaun, dass ich mich manchmal frage, warum ich nicht auch mein Makroobjektiv eingepackt habe. Ihre Fluchtdistanz ist erstaunlich gering, solange man respektvoll auf seiner Seite des Zauns bleibt. Diese außergewöhnliche Nähe ist ein großer Vorteil, den man in der Vogelfotografie nur selten erlebt. Da die Vögel den gesamten Sommer über auf der Insel verweilen, bleibt reichlich Zeit, sie in verschiedensten Situationen zu beobachten und zu fotografieren – ideal auch, um sich ganz auf feine Details zu konzentrieren.

Das Wetter auf Helgoland zeigt sich oft von seiner launischen Seite: Regenschauer sind keine Seltenheit, doch meist folgt kurz darauf wieder Sonnenschein. Gerade in diesen Momenten entstehen faszinierende Lichtstimmungen – und mit etwas Glück zeigt sich sogar ein Regenbogen am Himmel.

Basstölpel - Helgoland (c) Robert Sommer

Dieses Mal zeigte sich Helgoland vor allem von seiner windigen Seite. Doch gerade das liegt den Basstölpeln – wahre Meister der Lüfte, die selbst bei starkem Wind mühelos und elegant durch die Luft gleiten. Es ist ein faszinierendes Schauspiel, ihnen dabei zuzusehen – und ebenso ein Vergnügen, sie zu fotografieren. Da sie oft in unmittelbarer Nähe vorbeifliegen, sind extreme Brennweiten meist gar nicht nötig.

Basstölpel - Helgoland (c) Robert Sommer

Scheint die Sonne, reflektiert sich ihr Licht auf der Wasseroberfläche – ein Effekt, den man wunderbar in die Bildgestaltung einbeziehen kann. Fotografiert man jedoch direkt ins Gegenlicht, wird die Reflektion schnell zu intensiv und lässt helle Bildbereiche ausbrennen. Ich versuche daher, mich so zu positionieren, dass die Vögel am Rand der Lichtspiegelung vorbeifliegen – dort entstehen durch die Sonnenstrahlen stimmungsvolle Bokeh-Effekte im Wasser. Besonders am Abend, wenn die Sonne tief steht, verwandelt sich die Wasseroberfläche in eine flüssige Landschaft aus Gold– ein Anblick, der jedes Fotografenherz höherschlagen lässt.

Basstölpel - Helgoland (c) Robert Sommer

Gerade wenn man Vögel im Flug fotografieren möchte, ist es nicht weiter schlimm, wenn eine Bilderserie einmal nicht perfekt gelingt. Die Basstölpel umkreisen einen unermüdlich, sodass man kaum lange auf die nächste Gelegenheit warten muss, einen Flugmoment einzufangen.

Doch wie eingangs erwähnt, beherbergt die Insel nicht nur Basstölpel, sondern auch zahlreiche weitere Vogelarten. So brüten an den Klippen etwa die deutlich kleineren Trottellummen, die jedoch meist weiter unten an den Felsen ihre Nester haben. Unter normalen Umständen ist man ihnen daher bei Weitem nicht so nah, wie den Basstölpeln. Doch mit etwas Glück zeigt sich gelegentlich eine der kleinen Lummen etwas weiter oben und offenbart ihre Flugkünste.

Trottellumme- Helgoland (c) Robert Sommer

Neben der Hauptinsel erstreckt sich die Düne, ein Refugium für zahlreiche Enten- und Watvögel. Wie bereits erwähnt, wehte zu meiner Zeit auf Helgoland ein kräftiger Wind, der auf der Düneninsel manchmal Sand und salzige Gischt wie eine natürliche Sandstrahlanlage wirken lässt. Der feine Sand in Verbindung mit der Nordseegischt kann die Fotografie durchaus erschweren. Ein wirksamer Schutz für die Ausrüstung ist daher unverzichtbar – nicht zuletzt, um die anschließende Reinigung zu erleichtern und zu vermeiden, dass Sandkörner in jede Ritze gelangen. Ich nutze hierfür eine lange, schlauchartige Plastiktüte, die sich bestens bewährt hat.

Die Fluchtdistanz der Vögel auf der Düne ist zwar geringer als gewöhnlich, doch die Austernfischer treiben es auf die Spitze. Als ich einen dieser Vögel am Strand entdeckte, legte ich mich mit der Kamera flach in den Sand und hatte eine respektable Distanz zum Motiv. Doch kaum vernahm der Austernfischer das Knistern der Tüte, konnte er seine Neugier nicht mehr zügeln – plötzlich stand er direkt vor mir, bisweilen sogar näher als die Naheinstellgrenze meines Objektivs. Vermutlich werden die Vögel gelegentlich gefüttert und reagieren deshalb besonders sensibel auf solche Geräusche. So gelang es mir, einige beeindruckende Nahaufnahmen zu machen, ohne den kleinen Gesellen tatsächlich zu füttern.

Austernfischer - Helgoland (c) Robert Sommer

Für mich ist eine niedrige Kameraposition stets entscheidend, um das Motiv klar freizustellen und den Hintergrund harmonisch zu gestalten. So lassen sich beispielsweise auch die fliegenden Sandkörner hervorragend ins Bild einfangen – etwas, das ein Eiderentenpärchen kaum zu stören schien. Aus einer höheren Perspektive wäre dieser Effekt kaum sichtbar geworden.

Helgoland bereitet jedes Mal aufs Neue große Freude, und egal wie oft man die Insel besucht hat, eröffnet sich stets die Möglichkeit, Neues zu entdecken oder auszuprobieren. Ich freue mich schon auf die nächste Reise und verabschiede mich mit einem herzlichen „Auf Wiedersehen“.

Über Robert Sommer

Robert lebt nach vielen Jahren in seiner Wahlheimat Hamburg wieder an der Müritz, wo er aufgewachsen ist. Schon immer fotografiebegeistert, entflammte seine Leidenschaft 2009 mit dem Kauf einer Spiegelreflexkamera. Anfangs fotografierte er alles, heute liegt sein Fokus auf Landschafts- und Tierfotografie. Er liebt es, draußen zu sein, frische Luft zu genießen, neue Orte zu entdecken und abzuschalten. Die Natur bietet unzählige Motive, besonders die Tierfotografie bleibt spannend – man weiß nie, was einen erwartet. Das Naturerlebnis steht für ihn an erster Stelle, ein gelungenes Foto ist das i-Tüpfelchen.

Ob Tiere oder Landschaften, entscheidend ist das Licht, das meist früh morgens zum Sonnenaufgang eben am besten ist. Dafür steht er gern früh auf, um die Ruhe alleine zu genießen. Wenn die Welt erwacht, bringt er erste Bilder und ein Lächeln mit nach Hause – und genießt den ersten Kaffee des Tages. Neben der Fotografie ist das Reisen seine zweite große Leidenschaft, besonders nach Skandinavien – wo auch viele seiner Bilder entstehen. Seit 2018 ist Robert offizieller SIGMA-Referenzfotograf und seit 2019 Vollmitglied der GDT.

Weitere Bilder von Robert findet ihr auf seiner Webseite www.sommerblende.de und auf seinen Instagram– und Facebook-Profilen.

2 thoughts on “Hochseeinsel Helgoland – immer eine Reise wert”

  1. Ein schön geschriebener Artikel, der schon Lust auf einen Besuch macht, insbesondere würde mich der Dünenabschnitt reizen. Ich selbst war noch nie auf Helgoland, weil ich solch hoch frequentierten Bereiche meide, aber wer weiß,, vielleicht werde ich eines Tages doch mal über meinen eigenen Schatten springen.
    Ein kleiner Fehler ist hier jedoch beim Erstellen entstanden, der vermeintliche “Austernfischer” ist kein Austernfischer.

    1. Danke für deinen Kommentar, Tatjana. Es stimmt, der Beitrag liest sich, als sei das Foto darunter der Austernfischer – es ist aber ein Sandregenpfeifer.

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