Ein Gastbeitrag von Christopher Thun
Was für ein Trip! Der MXGP of Trentino 2026 in Pietramurata war auch dieses Jahr wieder ein absolutes Highlight im Kalender. Als akkreditierter Fotograf für das Motocross Magazin war ich hautnah dabei, um die Action – und den Wahnsinn drumherum – festzuhalten.
Hier ist mein Rückblick auf ein Wochenende voller Kontraste.
Weit vor der Anreise
Das übliche Zittern – klappt das mit der Akkreditierung oder nicht. Das ist immer eine nervenaufreibende Zeit für mich, in der es immer Zittern heißt. Mittlerweile müsste ich das sicher nicht mehr, da es seit einiger Zeit immer geklappt hat. Doch irgendwie ist da immer so eine Grundlaufregung, aber die erlösende Nachricht kam dann endlich …



Donnerstag: Die Anreise – Geduld ist eine Tugend
Der Plan war gut: Frühzeitig am Donnerstag los, um entspannt in die Woche zu starten. Die Realität sah dann eher nach 10 Stunden Autofahrt und einer ordentlichen Portion Sitzfleisch aus. Besonders sportlich wurde es, als ich 10 km vor dem Ziel im typischen Trentino-Stau stand. Aber egal, die traumhafte Kulisse, das Frühsommerwetter und das Hotel direkt am Gardasee entschädigten das.
Vor Ort angekommen: Traumhaftes, frühsommerliches Wetter! Sonne, heiße Temperaturen, die Berge von Pietramurata im Hintergrund – einfach perfekt für das Wochenende.
Genau in diesem Moment dachte ich mir: „Ach, jetzt bin ich hier, kein Stress… mein Körper meint, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, krank zu werden.“ Das Ergebnis? Eine aufziehende Erkältung, die mich das ganze Wochenende begleitet hat. Aber bei der Action? Keine Option, im Bett zu bleiben.
Mein „neues Auge“ – Danke, AC Foto!
Für den Trip hat mich AC-Foto perfekt ausgestattet. Um alles perfekt festzuhalten habe ich mir das Sony 70 – 200/2,8 SEL FE GM OSS II geliehen, um maximale Flexibilität zu haben. Es dient als perfekte Ergänzung zu meinem 28 – 70 mm und dem 200 – 600 mm, denn so habe ich alle Brennweiten abgedeckt und bin perfekt für jede Situation vorbereitet. Zudem ist das Objektiv mit einer 2,8er Blende perfekt für dunkle Bedingungen. Motocross ist ja bekanntlich in der Regel ein Outdoor-Sport, also kann es schon mal vorkommen, dass die Wetterbedingungen schlecht und dunkel sind – da hilft natürlich ein lichtstarkes Objektiv.
Mit dem neuen Objektiv im Gepäck konnte ich die krassen Sprünge und die Schräglagen auf der harten Strecke perfekt einfangen. Ob das „Einfrieren“ des Motivs oder die Königsdisziplin „Mitzieher“ – alles könnte ich mit diesem Objektiv perfekt umsetzen.



Motocross-Fotografie
Motocross-Fotografie ist ein Tanz zwischen Chaos und Präzision. Es geht darum, die rohe Gewalt der Maschinen und die Eleganz der Flugphasen in einem einzigen, stillstehenden Moment einzufrieren. Es ist nicht nur gemütlich an der Strecke stehen. Es ist viel mehr: Von morgens bis abends läufst du hin und her, von einer Kurve zur nächsten, von einem Sprung zum anderen. Dann wieder zum Start für das nächste Rennen, zwischendurch ins Fahrerlager oder zum Vorstart um Porträtaufnahmen zu machen und hin und wieder ins Pressezentrum, um neue Akkus zu holen oder etwas zu trinken. Klingt stressig – ist es auch, aber es macht Spaß.



Hier ist ein Überblick, worauf es wirklich ankommt und wo die feinen Unterschiede liegen:
1. Die Perspektive:
Geh auf Augenhöhe (oder tiefer). Das finde ich persönlich besser als aus dem Stand. Der Profi-Ansatz: Geh in die Knie oder leg dich flach an den Streckenrand (Sicherheit geht vor!). Eine tiefe Perspektive lässt die Sprünge monumentaler wirken und bringt den Betrachter direkt ins Geschehen.
2. Die Feinheit:
Achte darauf, möglichst den Boden mit im Bild zu haben. Manchmal kann es aber auch gut aussehen wenn ein Fahrer hoch am Himmel steht und man nur das einfängt, gerade vielleicht mit Bäumen oder ähnlichem im Hintergrund. Und achte auf Action im Bild, denn es gibt nichts Langweiligeres als einen Fahrer, der einfach gerade und langsam auf einen zufährt.
3. Verschlusszeit: Die Dynamik kontrollieren
Du hast zwei Wege, um Action zu zeigen:
- Freeze (Einfrieren): Kurze Verschlusszeiten (1/1000s oder kürzer, ich nutze gerne 1/2000s), um jedes Sandkorn und jede Schweißperle scharf abzubilden.
- Panning (Mitzieher): Die Königsdisziplin! Längere Verschlusszeiten (1/125s bis 1/250s) beim Mitführen der Kamera. Das lässt den Hintergrund verschwimmen und die Speichen der Räder drehen sich. Die Feinheit: Ein perfekter Mitzieher zeigt Schärfe am Helm des Fahrers, während der Rest des Bildes die Geschwindigkeit zeigt. Das erfordert aber etwas Übung und Erfahrungen.
4. Der Fokus auf den Helm:
Im Motocross ist das Gesicht oft hinter Brille und Helm versteckt, aber die Augen (oder zumindest das Visier) sind der Ankerpunkt. Technik: Nutze den kontinuierlichen Autofokus (AF-C oder AI Servo) mit Tracking. Die Feinheit: Warte auf den Moment, in dem der Fahrer in einer Kurve den Blick „voraus“ wirft. Dieser fokussierte Blick gibt dem Bild eine psychologische Tiefe.
5. Licht und „Roost“: „Roost“ ist der Dreck, den das Hinterrad aufwirbelt.
Das Ziel: Fotografiere gegen das Licht oder im Streiflicht. Das macht den aufgewirbelten Staub oder Matsch plastisch und lässt ihn leuchten. Die Feinheit: Positioniere dich so, dass der aufgewirbelte Dreck eine Diagonale im Bild bildet – das führt das Auge des Betrachters direkt zum Fahrer.
6. Den perfekten Moment erwischen: Kenntnis des Sports ist wichtiger als teures Equipment.
Timing: Der beste Moment in einer Kurve ist der Scheitelpunkt, wenn das Bike am tiefsten liegt. Beim Sprung ist es z. B. der „Scrub“, bei dem der Fahrer das Motorrad flachlegt, um Zeit in der Luft zu sparen. Die Feinheit: Drücke nicht einfach im Dauerfeuer ab. Lerne die Körpersprache der Fahrer zu lesen, um den Moment maximaler Spannung vorherzusehen.



Zusammengefasst: Gute Motocross-Fotos sind scharf und hell. Großartige Motocross-Fotos erzählen eine Geschichte von Dreck, Adrenalin und der extremen Schräglage zwischen Kontrolle und Sturz. Am Ende muss jeder Fotograf für sich entscheiden, was und wie er fotografieren möchte. Am Ende muss jeder seinen Weg finden und das machen, was er gut findet und worauf er Lust hat. Ich persönlich versuche immer mal etwas Neues zu probieren oder eine Perspektive zu nutzen, die nicht auch 10 andere Fotografen wählen.
Zu den Rennen: Herlings rockt das „Il Ciclamino“ – Ein Wochenende für die Geschichtsbücher!
Der MXGP of Trentino 2026 (18.–19. April) ist Geschichte, aber was für eine! Auf der legendären Strecke „Il Ciclamino“ in Pietramurata, umrahmt von den atemberaubenden Dolomiten, bot die fünfte Runde der FIM Motocross-Weltmeisterschaft Action, Dramatik und Überholmanöver der Extraklasse. Jeffrey Herlings bewies, warum er einer der Größten ist, und schloss die Lücke in der WM-Tabelle dramatisch.
Arco di Trento war auch 2026 wieder der Hexenkessel, den sich Fans und Fahrer wünschen. Die Atmosphäre war elektrisierend, die Piste anspruchsvoll und das Wetter hielt, was es versprach: typische Trentino-Action!



🏆 MXGP: „The Bullet“ schlägt zurück
Jeffrey Herlings (Honda HRC Petronas) war am Wochenende der Mann, den es zu schlagen galt. Trotz eines durchwachsenen Starts im ersten Moto kämpfte sich der Niederländer spektakulär durch das Feld und holte sich den Sieg vor dem amtierenden Champion Romain Febvre (Kawasaki Racing Team).
Mit diesem Gesamtsieg – seinem sechsten in Trentino – setzte Herlings ein klares Zeichen. Tim Gajser (Yamaha) zeigte ebenfalls eine extrem starke Performance und sicherte sich den zweiten Platz, während Tom Vialle (Honda) das Podium komplettierte.
Die Top 3 der MXGP of Trentino 2026:
Jeffrey Herlings (NED, Honda) – 47 Pkt.
Tim Gajser (SLO, Yamaha) – 43 Pkt.
Tom Vialle (FRA, Honda) – 35 Pkt.
Die Meisterschaft bleibt extrem spannend. Nach Trentino ist Herlings nun bis auf vier Punkte an die Spitze der Gesamtwertung herangerückt.



⚡ MX2: Sacha Coenen dominiert
In der MX2-Klasse gab es ein Familienduell, das Sacha Coenen (Red Bull KTM) für sich entschied. Er zeigte eine perfekte Leistung und dominierte die Rennen, nachdem sein Bruder Lucas Coenen am Samstag noch die Qualifikation gewonnen hatte. Der Kampf um das „Red Plate“ (die Führung in der Meisterschaft) ist nach diesem Wochenende härter denn je, besonders mit Fahrern wie Mathis Valin, der in Trentino sein erstes Gesamtpodium der Saison holte.



🏔️ Die Strecke „Il Ciclamino“
Die Hartbodenstrecke im Trentino zeigte sich von ihrer besten Seite, forderte aber auch Mensch und Maschine. Nach einem kurzen Schauer am Sonntag wurde der Boden rutschig und technisch anspruchsvoll, was die Überholmanöver von Herlings umso beeindruckender machte. Die „Berge“, die die Strecke umgeben, fühlten sich wie eine Mauer aus tosenden Fans an.




Der „Wetter-Schock“ bei der Heimfahrt
Nachdem ich am Wochenende bei strahlendem Sonnenschein noch in T-Shirt und kurzer Hose an der Strecke stand, kam die Rückfahrt. Ich bin (typisch italienisch-sonnig) in kurzer Hose losgefahren.
Der Schock kam, als ich schon wieder weit in Deutschland war: 5°C und Dauerregen. Von der „Italien-Hitze“ direkt in den deutschen April-Winter.
🛠️ Fazit
Der MXGP of Trentino 2026 war ein absolutes Highlight. Der Sport lebt, die Fans sind leidenschaftlich und die Meisterschaft ist vollkommen offen. Es war nicht mein erster MXGP, aber mein erster in Italien, mein erster im Trentino bei dieser traumhaften Kulisse, die beeindruckender nicht sein kann. Der Trip war ein absoluter Erfolg und es hat unfassbar viel Spaß gemacht, nicht nur an der Strecke, sondern auch das Urlaubsfeeling in Torbole direkt am Gardasee zu genießen …
Arrivederci, Trentino! Wir sehen uns 2027.
Über Christopher Thun
01.05.1985
Wohnort Magdeburg
Schon ein Leben lang Motocross-begeistert.
Seit 5 Jahren leidenschaftlicher Motocrossfotograf.
In der Regal für das Motocross Magazin tätig.
Seit 3 Jahren auf nationalen und internationalen Motocross-Veranstaltung als Fotograf unterwegs.
Seit diesem Jahr auch für das neu formierte BUYMX Yamaha Team tätig.
