Norddeutsche Naturfototage 2026 in Waren – ein Rückblick

25 Jahre Norddeutsche Naturfototage – Ein Jubiläum für die Naturfotografie

Wieder strömten die naturfotografisch Interessierten in den Bürgersaal der Stadt Waren, um die nun 25. Ausgabe der Norddeutschen Naturfototage zu besuchen. Auch wenn das Festival zu Beginn nicht an diesem Ort stattfand, ist es doch ein beachtliches Jubiläum, dass auch entsprechend gefeiert wurde. Aber gefeiert wurde auch die Naturfotografie in zahlreichen Workshops, Seminaren und Vorträgen. Und nicht zuletzt in dem traditionellen Fotowettbewerb, zu dem alle, die ein 3-Tagestickett in der Tasche hatten, Bilder einsenden konnten. Obwohl ich nicht jeden Vortrag selber anschauen konnte, versuche ich, einen kurzen Rückblick über die Veranstaltung zu geben.

Auftakt mit unsichtbaren Welten und nordischen Vogelparadiesen

Am Freitag ging es um 12:30 gleich mit einem Seminar des Naturfoto- Chefredakteurs Dr. Hans-Peter Schaub los. Zwei Stunden lang führte er seinen Zuhörern eindrucksvoll und verständlich vor Augen, mit welchen Techniken unsichtbares in der Natur in Bilder verwandelt werden kann. Kurz drauf eröffnete Jürgen Wandtke gewohnt souverän das Festival und führte von da an ebenso charmant wie informativ durch das weitere Programm. Im ersten Vortrag brachte Jörg Asmus dem Publikum die Vogelwelt Skandinaviens näher und machte deutlich, warum der Norden Europas seinen Reiz für Natur- und insbesondere Vogelfotografen nie verloren hat.

Bilder: Hans-Peter Schaub und Jörg Asmus

Heimat, Musik und starke Bilder aus Mecklenburg-Vorpommern

Nach der Kaffeepause ging es mit amerikanischen Folksongs auf der Bühne weiter, vorgetragen von Eva und Lars Fricke sowie Ingolf Kühn, mit denen sie ihre Fotografien rund um ihre Heimat westlich Neubrandenburgs begleiteten. Mecklenburg-Vorpommern ist auch die Heimat von Timm Allrich. Und seine kraftvollen und atmosphärischen Bilder machten in seinem Vortrag deutlich, warum es auch gut sein kann, sich fotografisch auf einen kleineren Raum zu konzentrieren. Am Abend klang der erste Tag mit der Jurierung der eingereichten Wettbewerbsbilder durch das anwesende Publikum im Vortragssaal aus.

Bilder: Eva/Lars Fricke, Ingolf Kühn und Timm Allrich

Spechte, Klavierklänge und finnische Winterwelten

Der Samstag startete fulminant mit behämmerten Vögeln. Oliver Richter stellte die Spechte des Muldetals nicht nur in beeindruckenden Bildern vor, sondern zeigte auch Videosequenzen mit zum Teil überraschenden Szenen. Begleitet wurde er dabei am Klavier von seiner Tochter Tanja, die sowohl mit ihrem Spiel als auch Gesang zu überzeugen wusste. Direkt im Anschluss wurde es kalt. Zumindest auf der Leinwand. Denn mit Tina Scheffler ging es in das winterliche Finnland. Sie ließ die Zuschauer an ihren Wanderungen und Schlittenhund- Fahrten teilhaben und berichtete von ihren Begegnungen mit der Landschaft, den atemberaubendem Nordlichtern und den Tieren.

Bilder: Oliver Richter und Tanja Scheffler

Wenn Technik zur Bildsprache wird

Nach der Mittagspause verdeutlichte Roland Günter, warum er so von seinen Vintage- Objektiven begeistert ist. Seine zum Teil antiquierten Werkzeuge lassen perfekte Schärfe vermissen, arbeiten jedoch, richtig eingesetzt, wesentlich tiefer gehende Aspekte des Motivs und der Fotografie heraus.

Bild: Roland Günter

Fotografieren mit allen Sinnen

Um Technik ging es im Vortrag von Dr. Jutta Kalbitz ebenfalls nicht. Vielmehr erreichten ihre Bilder in Verbindung mit dem gesprochenen Wort die Sinne des Bildbetrachters und verdeutlichten ihre eigenen Wahrnehmungen und Gedanken vor und während des Fotografierens.

Im Regenwald Westafrikas

In seiner Multivisionsshow präsentierte Dr. Hans-Peter Schaub die ungeheure Vielfalt des westafrikanischen Tai-Nationalparks und beschäftigte sich auch mit den Bedingungen der Menschen vor Ort. Das er das Gebiet seit 2017 mehrfach besuchte, ist anhand des Bildmaterials mehr als deutlich geworden.

Bild: Dr: Hans-Peter Schaub

Eine Reise durch 25 Jahre Festivalgeschichte

Um 19:00 führte Jürgen Wandtke gemeinsam mit Erich Hoyer, dem Gründer der Norddeutschen Naturfototage, durch die Geschichte des Festivals. Wobei man besser sagen muss, einem der Gründer. Denn ohne die tatkräftige Unterstützung seiner Frau Helga wäre wohl alles schwerer gegangen. Es war interessant zu sehen, wer in all den Jahren schon als Referent auf der Bühne stand und welch breitgefächertes Programm einst und bis heute alljährlich organisiert werden konnte.

Überraschungen, Emotionen und verdiente Sieger

Die anschließende Preisverleihung zeigte die hohe Qualität der Einsendungen und brachte in den Augen des einen oder anderen sicher manche Überraschung bei den Platzierungen hervor. Auf alle Fälle aber gab es mit Kerstin Münnich eine zutiefst überraschte und glückliche Gesamtsiegerin, die gleich mehrere Bilder im Wettbewerb vorne platzieren konnte. Beim abschließenden Buffett wurde über die Bilder des Tages diskutiert, aber auch weit darüber hinausgehende Gespräche geführt.

Alle Siegerbilder kannst du dir hier ansehen.

Gesamtsiegerin Kerstin Münnich (Mitte) mit Vertretern der Jury und des Veranstalters

Feldhamster, tierische Verbrechen und die Vogelwelt Sachsen-Anhalts

Am Sonntag erfuhr man nahezu alles über den heimischen Feldhamster. Zudem erläuterte Dieter Hock die fotografische Herangehensweise, die ihm ermöglichte, seinen fundierten Vortrag mit hochwertigen Bildern zu illustrieren. Farina Graßmann deckte in ihrem Vortrag dann allerlei „Verbrechen“ im Tierreich auf und schilderte deren Ursachen und Sinn. Ihre lebendige Erzählungen öffneten sicher so manches Auge für verborgene Abläufe in der Natur. Nach der Mittagspause beendete Hans Dieter Koch das Festival mit der Vogelwelt Sachsen- Anhalts, die der Darbietung nach zu urteilen keinen Vergleich mit anderen Regionen zu scheuen braucht.

Bilder: Dieter Hock und Farina Graßmann

Mehr als Vorträge – Die besondere Atmosphäre in Waren

In den Gesprächen zwischen den Vorträgen und auf dem kleinen Fotomarkt, bei dem mehrere Aussteller ihre Neuheiten präsentierten und für Fachberatung zur Verfügung standen, hörte man wieder die gute Stimmung heraus, die üblicherweise stets auf den Norddeutschen Naturfototagen herrscht. Neben dem Vortragsprogramm ist es sicher auch eben diese Atmosphäre, die die Besucher jedes Jahr wiederkommen lässt. Auch ich werde mich 2027, dann wieder im März, auf den Weg ans Ufer der Müritz machen. Wo sonst kann man am frühen Morgen im Hafenbecken oder vor dem Hotel Schellenten und Flußuferläufer fotografieren und nach dem Frühstück mit Gleichgesinnten fachsimpeln und Bilder gucken. Oder einfach gesagt: gemeinsam Naturfotografie erleben.

Über Markus Botzek

Markus Botzek

Geboren 1967 in Bottrop, ist das Ruhrgebiet bis heute die Heimat von Markus Botzek. Was viele überraschen mag: Auch mitten im „Pott“ begann seine Begeisterung für die Natur bereits in jungen Jahren. Schmetterlinge am Sommerflieder, Stichlinge und Molche in den Tümpeln am Fuß der Kohlenhalden weckten früh seine Neugier auf die Tierwelt. Ausflüge mit seinen Eltern an den Niederrhein, in die Hohe Mark und in die Zoos der Region vertieften diese Faszination.

Zur Fotografie fand er erst gegen Ende seiner Schulzeit. als er damit begann, Naturbeobachtungen fotografisch festzuhalten. Mit dem Kontakt zur GDT und dem Austausch mit anderen Naturfotografen entwickelte sich der Anspruch, nicht nur zu dokumentieren, sondern aus Fotografien ausdrucksstarke Bilder zu machen.

1992 trat Markus Botzek der GDT bei. Später engagierte er sich mehrere Jahre im Vorstand und war von 2001 bis 2007 Präsident der Gesellschaft. In dieser Zeit entschied er sich zudem für den Weg als freiberuflicher Naturfotograf, dem er bis heute mit großer Leidenschaft folgt.

Mehr über Markus erfährst du auf seiner Webseite.

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