Ein Gastbeitrag von Patrick Schönecker
Es ist noch früh am Morgen, als wir am Tag nach unserem langen Flug und der Überlandreise in Richtung Blyde River Canyon endlich die Nationalstraße von Graskop parallel zum Blyde River hinauffahren. Es ist der erste echte Morgen in der Natur Südafrikas. Die Sonne kämpft sich durch eine dichte Wolkendecke, und vereinzelt tropft es. Kein klassischer Empfang im südafrikanischen Frühling – aber das diffuse Licht lässt ein Fotografieren über den ganzen Tag zu, sanft, gleichmäßig und noch gut für Tieraufnahmen. Nur für Landschaften ist es eine eher zurückhaltende Lichtstimmung. Für uns überwiegt die Freude, endlich hier zu sein: in der Weite Afrikas, umgeben vom Geruch nasser Erde und den Klängen des beginnenden Tages.

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II + Canon Extender EF 2× III · 600 mm · f/5.6 · 1/800 s · ISO 250 · Freihand
Am Pinnacle Viewpoint, dem ersten Stopp auf der Fahrt von Graskop zum imposantesten Canyon Südafrikas – dem mit 800 Metern tiefsten Canyon des Landes, dem Blyde River Canyon – öffnet sich unter uns der Blick auf eine senkrechte Felssäule, die aus dem dichten Trockenwald ragt. Ich stehe am ersten Vormittag mit der Kamera zwischen den Gesteinsformationen. Eine ordentliche Brise zieht durch die Spalten der Felsen, aber es ist genug Sonne vorhanden, um die in der Trockenzeit spärlich sichtbaren Reptilien aus ihren Verstecken zu locken. Und plötzlich entdecke ich sie: Pseudocordylus melanotus melanotus, den Unechten Gewöhnlichen Gürtelschweif – auf den Felsen sitzend, leuchtend orange-gelb gefärbt, eine der schönsten Echsenarten dieser Region. Schon hier kann ich eine wichtige Art abhaken, die auf meiner Reptilien-Wunschliste weit oben stand. Eine zweite ist Smaug vandami, der legendäre „Kleindrache“ der Felsen, den wir später an den Bourke’s Luck Potholes entdecken. Es ist ein Foto, bei dem ich nochmals bestätigt bekomme, dass es sich absolut gelohnt hat, kurz vor Abreise noch die Canon EOS R5 Mark II aus dem AC-Foto-Rent-Service zu besorgen. Der Augenautofokus arbeitet deutlich präziser als der meiner Canon EOS R5 und findet bei Reptilien und Amphibien meist deutlich schneller und zuverlässiger die Augen – in vielen Situationen unaufdringlich, präzise und selbstverständlich.

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II + Canon Extender EF 2× III · 600 mm · f/5.6 · 1/800 s · ISO 800 · Freihand
Der Übergang von der Kulturlandschaft in die unberührte Wildnis des Kruger Nationalparks ist wie ein tiefes Einatmen. Unser erstes Camp, das Letaba-Camp, liegt relativ mittig im riesigen Nationalpark, der sich über mehr als 350 Kilometer von Nord nach Süd und rund 60 Kilometer von Ost nach West erstreckt – eine Fläche etwa halb so groß wie die Schweiz. Das Camp liegt am Fluss, umgeben von alten Bäumen, in denen Glanzstare, Tokos und Webervögel leben. Allmorgendlich schleicht eine Gruppe Meerkatzen zwischen den Bungalows hindurch, abends ziehen Elefanten durch das Flussbett, und während wir auf der Terrasse sitzen, bricht über uns eine Gruppe Baumhopfe in ein wirres Gezeter aus. Es ist jener Moment, in dem man begreift, dass man angekommen ist – mitten in der Natur und doch Gast in dieser Wildnis, dankbar dafür, für einige Tage ein Teil davon sein zu dürfen.

Canon EOS R5 · Canon RF 70–200/2.8 L IS USM Z · 168 mm · f/2.8 · 1/250 s · ISO 250 · Freihand

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II · 300 mm · f/2.8 · 1/800 s · ISO 500 · Freihand
In Letaba beginnt auch die fotografische Routine, die mich durch den gesamten Norden des Parks begleiten wird. Die R5 Mark II trägt das EF 300 mm f/2.8 L IS II USM, die R5 das ebenfalls aus dem AC-Foto-Rent-Service geliehene RF 70–200 mm f/2.8 L IS USM Z. Das 70–200 mm dient als zuverlässiges, lichtstarkes Immer-drauf für größere Bildausschnitte und Tierporträts im Nahbereich, das 300er mit dem 1,4-fach- und dem 2-fach-Extender für größere Distanzen und kleinere Fotoobjekte – insbesondere Vögel, die mit dem 70–200er unerreichbar wären und bei denen selbst 600 mm teilweise noch zu kurz erschienen. Beides liegt meist im Auto bereit, griffbereit auf meinem Schoß, sodass ich ohne Objektivwechsel direkt das passende Setup wählen kann, sobald sich eine Szene ergibt. Wir verbringen hier mehrere Tage und sind mit unserem kleinen SUV relativ autark – unser Ziel ist es, so viel wie möglich dieser Region auf eigene Faust zu erkunden.

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II + Canon Extender EF 2× III · 600 mm · f/5.6 · 1/160 s · ISO 1000 · Freihand
Unsere zweite Unterkunft liegt im Pafuri-Camp, im äußersten Nordosten des Nationalparks – dort, wo Südafrika, Simbabwe und Mosambik aufeinandertreffen. Pafuri – das klingt nach Rand der Welt, und genauso fühlt es sich an, als wir dort ankommen. Das Camp liegt am Luvuvhu-Fluss, eingerahmt von unzähligen uralten Baobabs und den gelblich leuchtenden Fever-Tree-Wäldern. Manchmal hört man das leise Rufen des Riesen-Eisvogels aus der Ferne, den wir später auch aus der Nähe fotografieren konnten. Nyalas ziehen zwischen den Zeltplattformen hindurch, Weißstirnspinte jagen über dem Wasser, und die Mittagszeit verbringen wir meist als Familie im Camp, während sich unsere Tochter im Pool austobt – immer mit dem Gefühl, mitten in der Natur zu sein, begleitet von den unzähligen Lauten der Tierwelt ringsum.
Der erste Abend im Fever-Tree-Wald nahe des Pafuri-Camps bleibt unvergesslich. Die Sonne steht tief, Staubpartikel, aufgewirbelt von einer riesigen Elefantenherde, schweben im goldenen Licht, und zwischen den hellgrünen Stämmen der Fever-Tree-Akazien bewegt sich diese gewaltige Gruppe – vielleicht hundert, vielleicht sogar zweihundert Tiere. Wir stoppen den Jeep und für Minuten ist alles still. Es ist eine der eindrucksvollsten Situationen, die ich bisher erleben durfte, nicht nur wegen des Lichts, sondern wegen der Ruhe, die in dieser Szene lag. Ich fotografiere mit der R5 und dem 70–200 mm bei Offenblende, wechsle permanent zur R5 Mark II mit dem 300 mm f/2.8 und mache hunderte, wenn nicht tausende Aufnahmen innerhalb weniger Minuten. Jedes Bild erzählt ein anderes Kapitel dieser Szene. Auch meine Familie ist völlig gebannt – Malou unsere siebenjährige Tochter, ausgestattet mit einer kleinen Olympus-Tough-Kamera, fotografiert konzentriert und still. Noch nie waren wir einer solch großen Herde so nah.

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II · 300 mm · f/2.8 · 1/400 s · ISO 640 · Freihand

Canon EOS R5 · Canon RF 70–200/2.8 L IS USM Z · 146 mm · f/2.8 · 1/500 s · ISO 200 · Freihand
Auf dem Heimweg passieren wir kurz nach Sonnenuntergang einen uralten, riesigen Baobab, während sich der Himmel in den buntesten Farben zeigt – von Violett über Magenta bis hin zu tiefem Blau. Und auch in solchen Momenten erweist sich das Canon RF 70–200 mm f/2.8 L IS USM Z als ausgezeichnete Wahl, weil die Kombination aus starkem Bildstabilisator und Offenblende selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen freihand noch gestochen scharfe Aufnahmen ermöglicht.

Canon EOS R5 · Canon RF 70–200/2.8 L IS USM Z · 100 mm · f/2.8 · 1/600 s · ISO 3200 · Freihand
Später am Abend zieht ein Gewitter über den Norden des Nationalparks. Der Himmel zuckt in der Ferne, und Blitze schlagen in den Baumkronen ein. Ich stehe auf der Terrasse unserer Lodge, das Stativ aufgebaut, die Kamera bereit – diesmal mit dem RF 24–105 mm f/4 L IS USM. Ich liebe diese Art der Nachtfotografie, das Spiel zwischen Warten und Reagieren, den richtigen Moment abzupassen, um möglichst viele der Blitze auf den Sensor zu bannen. Die Luft ist schwer, der Geruch nach Regen liegt über dem Fluss, und irgendwo in der Dunkelheit quakt ein Frosch – Afrika im Umbruch zwischen Trockenzeit und beginnender Regenzeit.

Canon EOS R5 · Canon RF 24–105/4 L IS USM · 24 mm · f/4.0 · 70 s · ISO 800 · Stativ
Am nächsten Morgen, nach dem Gewitter, hat sich die Landschaft verändert. Die Luft ist klar, der Himmel bedeckt. Während Joanna und Malou sich ausruhen, fahre ich mit dem Ranger zu einem bekannten Aussichtspunkt in einer felsigen Canyon-Landschaft im Norden des Parks – eine Szenerie, die sich deutlich von den weiten Ebenen des Kruger unterscheidet. Schroffe Felsen, dazwischen Sukkulenten und Baobabs, ein Ort, der wirkt, als habe er sich der Zeit entzogen. Auf dem Rückweg halten wir an einer Kolonie Weißstirnspinte, die an einer steilen Sandböschung brüten. Ich beobachte, wie sie in schnellen Bögen über den Fluss schießen, das Licht auf ihren Flügeln reflektiert, und nutze die kurzen Momente, in denen sie auf abgestorbenen Zweigen pausieren, um ein paar Porträts dieser hübschen Vögel zu schießen.

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II + Canon Extender EF 2× III · 600 mm · f/5.6 · 1/200 s · ISO 800 · Freihand
Später im Camp, als die Sonne wieder herauskommt, ziehe ich mit einer Gruppe Nyalas – einer typischen, sehr hübschen Antilopenart dieser Region, die sich dauerhaft im Gelände aufhält – durch das Gestrüpp, beobachte Helmperlhühner, die in kleinen Trupps über den Boden huschen, und fotografiere eine Gruppe von ihnen im Mitzieher. Am Abend fahren wir noch einmal hinaus bis zum Dreiländereck, wo der Fluss träge zwischen Simbabwe und Mosambik dahinfließt. Auf den Sandbänken liegen dutzende Nilkrokodile, im Wasser gähnen Nilpferde. Ich freue mich, dass sich Malou zu mir gesellt hat und mit dem Fernglas die Tiere beobachtet – aufmerksam und fasziniert.

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II + Canon Extender EF 2× III · 600 mm · f/16 · 1/10 s · ISO 200 · Freihand
Am letzten Morgen sitze ich früh auf der Terrasse unseres Bungalows und versuche noch, ein paar letzte Pläne für Fotomotive zu machen. Unbedingt will ich die Buschhörnchen fotografieren, die sich überall im Camp zeigen, bisher aber zu schnell für ein ordentliches Bild waren. Beim Gang über die Holzstege entdecke ich eines, das über das Geländer huscht, kurz stehen bleibt und mich neugierig mustert. Ich nutze die Gelegenheit und schieße noch ein paar letzte Aufnahmen im milden Morgenlicht.

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II + Canon Extender EF 2× III · 600 mm · f/5.6 · 1/400 s · ISO 640 · Freihand
Beim Verlassen des Nationalparks wird es merklich still im Auto. Wir wissen, dass wir die einzigartige Tierwelt und das intensive Naturerlebnis des Kruger nun hinter uns lassen. Als das Flugzeug am Abflugtag durch die Wolkendecke steigt und kurz darauf in die wärmsten Farben des Sonnenuntergangs eintaucht – faszinierend und majestätisch –, scheint Südafrika sich noch einmal eindrucksvoll zu verabschieden.

Canon EOS R5 Mark II · Canon EF 300/2.8 L IS USM II + Canon Extender EF 2×
III · 600 mm · f/5.6 · 1/40 s · ISO 250 · Bohnensack
Diese Reise war mehr als eine Familienreise oder ein Testlauf für neue Ausrüstung. Sie war eine Erinnerung daran, warum ich fotografiere: um Erlebnisse festzuhalten, die sich kaum in Worte fassen lassen; um Licht, Bewegung und Emotionen eines Kontinents zu bewahren, zu dem ich eine tiefe Bindung empfinde. Und um Momente mit meiner Familie zu teilen, die bleiben – irgendwo zwischen den warmen Farben des Kruger, seinen weiten Landschaften und dem Eintauchen in die unvergesslichen fotografischen Augenblicke.
Über Patrick Schönecker
Patrick Schönecker ist Naturfotograf aus dem Saarland und beruflich als Lehrer tätig. Seit seiner Jugend fotografiert er – zunächst analog, seit 2005 vollständig digital im Canon-System und heute mit den professionellen spiegellosen Kameras des EOS-R-Systems.
Sein besonderes Interesse gilt Reptilien und Amphibien sowie bedrohten Pflanzen- und Tierarten. Viele seiner Projekte beschäftigen sich mit der heimischen Fauna und Flora, aber auch mit Regionen, deren Artenvielfalt ihn seit Jahren prägt – vor allem dem afrikanischen Kontinent und den umliegenden Inseln wie Madagaskar.
Patrick ist Vollmitglied der GDT. Darüber hinaus engagiert er sich im Bereich Citizen Science: Als Mitglied in der Leitung der DGHT-Regionalgruppe Saar-Pfalz (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde) nutzt er seine Fotografie, um Verhalten, Lebensräume und Arten zu dokumentieren, Wissen zu diesen Tieren und ihren Bedürfnissen zugänglich zu machen und Schutzprojekte zu unterstützen oder zu initiieren. Seine Arbeiten sind in verschiedenen naturkundlichen Projekten vertreten, insbesondere in Fachpublikationen zu diversen Reptilien- und Amphibienarten.
Weitere fotografische Arbeiten sind auf seinem gleichnamigen Facebook-Account, auf seinem Instagram-Account @herpygraphy und hier bei uns im Blog zu finden.
- Objektive für die Waldfotografie - 17. Februar 2026
- Zwischen Canyon, Fever Trees und Elefantenherden – Unterwegs im Nordosten Südafrikas - 29. Januar 2026
- Erstes Jahr am naturnahen Gartenteich: Lebensraum für Artenvielfalt - 15. Januar 2026

Vielen Dank für diesen packenden Bericht und die fantastischen Aufnahmen, die die Wildnis Südafrikas sowie die technischen Vorzüge der R5 Mark II perfekt lebendig werden lassen. Ich finde es klasse, wie du die emotionale Nähe zu den Elefantenherden und gleichzeitig die Begeisterung für die kleinen Details wie die Gürtelschweife beschreibst. Mein Tipp für dich: Probier bei so beeindruckenden Landschaften mit Baobabs mal eine Panorama-Aufnahme zur Blue Hour, um die gewaltigen Dimensionen der Bäume noch stärker im Kontext der Weite wirken zu lassen.