Tasmanien – Insel am anderen Ende der Welt

Wild zerrt und reißt der Wind an mir und meiner Fotoausrüstung, sodass ich mich kaum auf den Füßen halten kann. Wie lautet doch gleich das Technik-Rezept für qualitativ hochwertige Landschaftsfotos? Stativ benutzen, niedrige ISO-Zahl einstellen, Blende schließen und Spiegelvorauslösung wählen. Heute ist daran nicht zu denken. Alles wackelt einfach zu sehr. Meinem Kumpel Hermann Hirsch ist das Stativ samt Kamera schon mehrmals umgefallen. Zudem rückt die Dämmerung näher und die Belichtungszeiten werden länger und länger.

EF70-200/2.8 L IS II USM bei 130 mm, 1/125 sec bei f 5,6, ISO 1.600

Also wird heute die Landschaft nach Plan B fotografiert. Rauf mit dem ISO-Wert und die Blende nicht mehr als unbedingt nötig schließen und auch das Stativ wird nicht genutzt. Stattdessen Dauerfeuer. Wenn ich nur genügend oft auf den Auslöser drücke, wird schon das eine oder andere scharfe Bild dabei sein.

EF70-200/2.8 L IS II USM bei 130 mm, 1/800 sec bei f 11, ISO 800
EF70-200/2.8 L IS II USM bei 115 mm, 1/100 sec bei f 11, ISO 200

Wir sind gerade an Tasmaniens Westküste unterwegs. Seit Tagen schon bläst der Wind wie verrückt und verschluckt alle Geräusche, sogar die Brandung ist im Wind kaum zu hören. Das wilde Wetter passt hervorragend zur Küste. Manchmal säumen Felsen die Küste, scharfkantig erodiert, sodass man nur ahnen kann, wie lange Zeit sie sich den Wellen schon in den Weg stellen. An anderen Stellen türmen sich dagegen direkt hinter dem Strand mächtige Dünen auf, bis weit hinauf an den Himmel. So nah an den Elementen zu sein, ihre Urgewalt hautnah zu spüren, ist atemberaubend schön.

EF16-35/2.8 L III USM bei 16 mm, 1,6 sec bei f 22, ISO 100

Uns beiden bescheren das Wetter und die Landschaft einige Foto-Tage, die sicherlich zu den bisher schönsten in meinem Leben gehören. Motive gibt es ohne Ende. Die wasserumtosten Felsen in der Brandung, der Strand selbst, die durch die Gegend fliegenden Sandkörner, einige Vögel und natürlich das Wasser selbst.

EF16-35/2.8 L III USM bei 20 mm, 82 sec bei f 9, ISO 400, ND-Filter
EF16-35/2.8 L III USM bei 22 mm, 1/15 sec bei f 13, ISO 800

Abgerundet wird das großartige Erlebnis durch den Umstand, dass es hier so abgelegen ist. Seit mehreren Tagen haben wir inzwischen keine weiteren Menschen getroffen. Wir sind vollständig allein. Für unser Zelt suchen wir jeden Abend eine einigermaßen windgeschützte Stelle hinter irgendwelchen Büschen, wenn möglich binden wir es irgendwo an. Sämtliche Nahrungsmittel sowie Wasser für eine Woche haben wir mitgenommen.

EF500/4.0 L IS II USM, 1/250 sec bei f 4,5, ISO 400

Weniger einsam, aber auch nicht weniger, vielleicht nur „anders schön“ ist es Kängurus auf Tasmanien zu fotografieren. Wer die lustigen Hüpfer fotografieren will, sollte einen der drei folgenden Nationalparke besuchen: Im Norden den Narawntapu-Nationalpark, den Mt.-William-Nationalpark im Nordosten oder den Maria-Island-Nationalpark im Osten Tasmaniens.

Tamron SP 35/1.8 Di VC USD FO12, 1/40 sec bei/14, ISO 100

Regelrecht in Herden leben die Kängurus im Narawantapu-Park zusammen. Auf mehreren großen Wiesen in Strandnähe halten die Tiere das Gras kurz. Die Hüpfer zeigen praktisch keinerlei Scheu vor Menschen. Wer vorsichtig und langsam auf die Kängurus zu krabbelt, kann sich Ihnen bis auf wenige Meter nähern und sogar mit dem Weitwinkelobjektiv fotografieren. Weniger zutraulich dagegen sind die Tiere im Mt.-William-Park. Hier sind es vor allem Wallabys, die in einer offenen Buschlandschaft attraktive Motive bieten. Brennweiten ab 300 Millimeter sind hier sehr zu empfehlen.

EF16-35/2.8 L III USM bei 35 mm, 1/500 sec bei f 22, ISO 250

In beiden Nationalparks kann man sowohl morgens als auch abends gut im direkten Licht fotografieren, denn die offenen Landschaften lassen schon die ersten Lichtstrahlen des Tages auf die Tiere fallen. Auf Maria Island, die gesamte Insel an der Ostküste ist ein Nationalpark, leben zahlreiche Foresterkängurus und Filander. Letztere sind gerade mal einen halben Meter hoch und halten sich weniger auf offenen Wiesenflächen als vielmehr am Rand von Büschen auf, zwischen denen sie bei Gefahr rasch verschwinden.

EF500/4.0 L IS II USM, 1/50 sec bei f 4, ISO 200
EF500/4.0 L IS II USM, 1/800 sec bei f 4, ISO 800
EF500/4.0 L IS II USM, 1/5.000 sec bei f 5, ISO 100

Auf Maria Island benötigt man auch eher die langen Brennweiten zum Fotografieren. Die Insel ist auch wegen der zahlreichen Wombats und der schönen Landschaft einen mehrtägigen Aufenthalt wert. Eine gute halbe Stunde marschiert man bis zu den Painted Cliffs, einer Sandsteinformation, die abends im Licht der untergehenden Sonne erstrahlt.

EF16-35/2.8 L III USM bei 16 mm, 1/13 sec bei f 13, ISO 100

Zum Abschluss noch ein paar Reisetipps: Leihwagen sind vergleichsweise günstig in Tasmanien, wer auch abseits von Teerstraßen unterwegs sein will, ist sicher mit einem Allradfahrzeug besser dran, für einige Strecken ist ein solches Fahrzeug sogar unabdingbar. Zelten ist unproblematisch möglich, in vielen Nationalparken kann man auch abseits von Campingplätzen übernachten. Die sanitären Einrichtungen sind oft sehr einfach, aber immer gut in Schuss. Ranger sind sehr freundlich und hilfsbereit, überhaupt fühlt man sich in tasmanischen Nationalparken immer eingeladen die Schönheiten zu besuchen…

Ein Gastbeitrag von Karsten Mosebach

Alle Bilder entstanden mit einer Canon EOS 5D Mk IV

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