Kunstlicht in der Naturfotografie

Die Meinungen über die Verwendung von Kunstlicht und besonders Blitzlicht gehen in der Naturfotografie weit auseinander. Die einen verabscheuen sie und sind der Meinung Blitzen zerstört jede Art von natürlicher Bildwirkung. Die anderen ziehen das künstliche Licht sogar dem natürlichen vor, da es berechenbarer und vollkommen regulierbar ist.

Ich habe eine geteilte Meinung zu dem Thema. Man kann mit Blitzlicht sehr viel kaputt machen, nicht nur in der Bildwirkung, sondern auch den Moment und dem Tier gegenüber. Wildtiere können sehr schreckhaft sein und ehe man sich versieht, ist nach nur einem Blitz, die Anwesenheit des Objekts der Begierde schon wieder beendet.

Igel
Igel sind nicht sehr scheu, wenn sie auf Nahrungssuche sind. Gerade in Städten sind sie künstliches Licht gewohnt und lassen sich hiervon nicht abschrecken. Canon 5D MK III + Sigma 35 f/1,4

Manch ein Tier macht sich aber auch nicht viel aus dem kurzem Aufflackern und genau dann kann man mithilfe von künstlichen Lichtquellen Stimmungen verstärken oder sogar  hervorrufen, die sonst nicht oder nicht so ausgeprägt wären.

Eichhörnchen 1
Im Schatten des Waldes drang kein Licht mehr an das Eichhörnchen. Durch die Belichtung auf den natürlich ausgelichteten Hintergrund und den Einsatz von zwei Blitzgeräten hinter dem Eichhörnchen kann eine natürlich wirkende Gegenlichtstimmung erzeugt werden.  5D Mk III + Canon 135 f/2 + 2x Canon 430 EX
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Hier das gleiche Bild nur ohne Blitz. Die natürliche Lichtsituation vor Ort ist hier gut zu erkennen. 5D Mk III + Canon 135 f/2

Der Umgang mit Blitzen erfordert jedoch eine Menge Fingerspitzengefühl. Das Fernauslösen verschiedener  Blitze zur gleichen Zeit mit unterschiedlichen Blitzstärken, Entfernungen und Aufsätzen zum „Absoften“ des Lichts, können schnell unübersichtlich werden.

Es bietet es sich an die  Technik nicht erst vor Ort auszuprobieren und den Umgang mit ihr zu üben. Am besten macht man sich schon im vorhinein mit ihr vertraut und testet sie beispielsweise an Menschen.

Paar
Ich persönlich habe den Umgang mit Blitzen auf Hochzeiten stark vertieft. Es besteht eine Drucksituation, dennoch hat man die Möglichkeit mehrmals zu korrigieren. Wie bei so vielen Dingen gilt auch hier: Viel üben, hilft viel und schnell kann man sein Blitzsetup auch in der Natur verwenden, wo ein Korrigieren ggf. nicht möglich ist. 5D Mk III + Canon 135 f/2 + 2x Canon 430 EX

Lassen Sie sich nicht von der auf den ersten Blick verwirrenden Technik abschrecken. Spielen Sie einfach mit ihr und tasten Sie sich langsam heran. Sie werden bald erkennen, dass das Blitzen neue Welten eröffnet…

zaun
Ein Zaunkönig brütet im Verdeck eines alten Trekkers. Licht ist hier Mangelware und ohne den Einsatz von Kunstlicht wäre das Bild nicht möglich gewesen. Canon 1DX + Canon 17-40 f/4 + Canon 580 EX II und 430 EX
Flussregenpfeifer
Flussregenpfeifer fühlen sich besonders auf Industriebrachen  wohl. Gerade nachts wirkt die Kulisse dort noch bedrohlicher. Durch einen sehr dezenten Blitzeinsatz ist der Protagonist dennoch zu erkennen. 5D Mk III + Sigma 85 1,4 + 2x Canon 430 EX
Hermann Hirsch

Hermann Hirsch

Die Naturbegeisterung hat Hermann in die Wiege gelegt bekommen.
Seit nunmehr 9 Jahren fotografiert er die Natur sowohl heimatnah als auch in vielen
europäischen Ländern.
Dabei ist es ihm ein besonderes Anliegen, anderen Menschen die Augen für die
heimische Natur zu öffnen. Er ist der Meinung, dass Naturschutz nur dann funktionieren
kann, wenn die Menschen wissen, wofür sie einstehen sollen.
Hermann Hirsch

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