Tarnzelt mit großen Augen

Während sich die Vögelchen reichlich an der Futterstelle bedienten, saßen von ihnen vollkommen unbemerkt zwei Fotografen nebeneinader in dem über die Maßen geräumigen Buteo Photo Gear und füllten die Speicherkarten. Das läuft doch gut an.Während Christof Wermter auf einem Klappstuhl Platz nahm, blieb ich auf dem Boden. Also, auf meiner Isomatte. Die Kleinvögel, die in seinem Garten erstaunlich scheu sind, brauchten eine Weile, bis sie das Tarnzelt in der Nähe der Futterstelle akzeptierten. Bislang blieben sie von Fotoversuchen unbehelligt und sind nicht, wie es anderswo schon mal vorkommt, an Menschen mehr oder weniger gewohnt.

Daher ist es auch normal, dass sie dem Tarnzelt gegenüber eine gewisse Skepsis an den Tag legten. Um die Vögel an die für sie neue Situation schneller zu gewöhnen, machten wir bei den ersten Anflügen keine Bilder. Auf diese Weise wurden sie nicht von den ebenfalls für sie neuen Auslösegeräuschen irritiert und hatten ihr Erfolgselebnis, wenn sie mit einem Sonnenblumenkern wieder abflogen oder ihn vor Ort aufpickten. Die Objektive hielten wir währenddessen etwas nach unten geneigt.

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Mit der Zeit war dann alle Zurückhaltung vergessen und Christof fing dezent mit dem Fotografieren an. Das Klacken der Kamera war für Vögel in einer Wohngegend kein Grund zur Panik. Sie stutzten kurz, aber schon bald liessen die Aufnahmegeräusche sie kalt. Etwas anderes jedoch verursachte da schon mehr Aufregung. Ich schwenkte mein Objektiv jetzt nämlich auch in Fotoposition, und das schien den Piepmätzen zunächst gar nicht zu gefallen.

Zumindest einige hielten sich nun etwas zurück. Nun ja, auch wenn ich auf dem Boden saß und damit tiefer als Christof, so befanden sich dennoch unsere Linsen auf einer Höhe. Von außen betrachtet, also aus Sicht der Vögel, wirkte das Tarnzelt nun wie ein großer Eulenkopf mit runden dunklen Augen.

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Da müssen die Gartenvögel nun aber durch. Sie brauchten auch nicht allzu viel Zeit, um zu realisieren, dass das komische neue Ding vielleicht guckt, aber sonst nichts macht. Sicherlich ergibt es mehr als Sinn, das Snoot/Lens Cover zu benutzen. Dieser aus gleichem Material und mit derselben Färbung erhältliche Objektivschlauch kann an der Fotoluke des Tarnzelts mittels Klettverschluss angebracht werden und umhüllt das Objektiv.

Das führt selbstverständlich zu einer deutlich besseren Tarnung des Objektivs, da seine Konturen nun mit der Zeltwand verschwimmen. Kleine Schwenks werden so schlechter sichtbar. Die Wirkung, die von den beiden als „Augenpaar“ interpretierbaren Linsen ausgehen kann, bleibt erhalten. Das ist aber in den meisten Fällen zu vernachlässigen, da sich die Vögel in der Regel schnell daran gewöhnen. Man sollte es zu Beginn einer Fotosession aber vielleicht im Hinterkopf haben.

Ist es geplant das Zelt einmal über eine längere Zeit an einem Ort stehen zu lassen, können eine oder bei Bedarf zwei dunkle Plastikflaschen etc. durch die Fotoluken gesteckt werden und während der Zeit, in der nicht fotografiert wird, dort belassen werden. So gewöhnen sich die Vögel daran, dass eben immer etwas aus dem Zelt herausragt.

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Das man zu zweit im Zelt sitzen kann, hat schon auch Vorteile. So hilft ein Gespräch schon mal über eine längere Wartezeit hinweg und man kann sich auch mit dem Ausschauhalten abwechseln. Da das Zelt von Innen schwarz ausgekleidet und damit recht dunkel ist, sind von außen Bewegungen nahezu unsichtbar. So schadet es auch nicht, sich zwischendurch mal einen Kaffee einzuschütten.

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Bei Dieter Damschen fiel das Plaudern aus, da ich mich allein in das große Zelt setzen musste. Fast kam ich mir darin etwas verloren vor. An dieser Futterstelle sind die Vögel deutlich entspannter und das Tarnzelt ist auf den ersten Blick fast nicht wirklich erforderlich, aber mit dem Zelt komme ich dann doch erheblich näher heran. Für die Vögel ist man ab dem Moment, in dem man in dem Zelt verschwindet, einfach nicht mehr da.

Sie verhalten sich entspannter und verweilen länger an einer Stelle, was das fotografieren schon sehr erleichtert. Das ist sogar an Orten, an denen Vögel nicht übermäßig scheu auf Menschen reagieren ein Argument für den Tarnzelteinsatz. Gewiss, man ist ohne freier. Man sieht mehr. Kann auf plötzliche Situationen eher und besser reagieren. Aber man kommt vielleicht doch nicht so gut ran an das Motiv. Und bei genauer Betrachtung wird man vielleicht auch feststellen, dass die Vögel uns ohne Tarnzelt immer im Blick haben. Aus dem Versteck aber gelingen sehr natürlich anmutende Bilder. Und die wollen wir doch haben.

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Als dann auch noch der Buntspecht an die Futterstelle kam, wurde klar, dass es für Vögel angenehmer ist, einen neuen Gegenstand in ihrer Nähe zu haben als einen frei dastehenden Vogelfotografen. Und an der Ästhetik der Futterstelle kann ja immer noch gearbeitet werden. Morgen will ich es mal in der „Wildnis“ einsetzen und die Singschwäne besuchen.

Eine Anmerkung: Es gibt natürlich nicht nur das große, sondern auch noch zwei kleinere Versionen des Tarnzeltes. Das Buteo 1-Personenzelt verfügt auch über tiefer gelegene Fotoöffnungen. Wer gerne ganz bodennah arbeitet sollte sich einmal das Liegezelt genau anschauen.