Magische Orte- ein bibliophiles Rendezvous

Ein Gastbeitrag von Jörn Schewski

Es gibt Orte, die haben beim Betreten eine Aura. Sie ist einfach da. Man verstummt unweigerlich und bekommt den Mund nicht mehr zu. Ein schöner bildhafter Ausdruck ist „in Ehrfurcht erstarren“. Solche Orte sollte man nicht unbedingt kund tun, nicht nur die Naturfotografen ( zu denen ich mich eigentlich auch zähle…) wissen das: Man freut sich und hält den Mund.

KEIN solcher Ort zum Verschweigen ist die Herzog August Bibliothek ( kurz: HAB) in Wolfenbüttel.

(Augusteerhalle)

Die HAB ist heute eine national und international bekannte  Einrichtung und wegen ihres bedeutenden Altbestandes aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit genießt sie heute eine hohe Reputation als Sammlung, als innovative Bibliothek und Forschungsstätte.

Bezeichnet wurde sie schon vor 300 Jahren als das 8. Weltwunder, gegründet wurde sie 1572 vom Herzog Julius zu Braunschweig- Lüneburg (1528-1589), berühmt wurde die HAB in der damaligen Zeit allerdings erst durch Herzog August d. J. (1579-1666). Bei seinem Tode umfasste die Bibliothek rund 35.000 Bände mit 135.000 Titeln, eine unvergleichliche, auf universellen Sammelprinzipien aufgebaute Bibliothek, die den ganzen Reichtum der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Literatur widerspiegelte (Quelle: http://www.hab.de/de/home/museum-kulturprogramm/geschichte-der-bibliothek.html).

Die Magie der Örtlichkeit resultiert aus diesem schier unermesslichen Bücherreichtum der Vergangenheit. Man schreitet aus der Hatz der heutigen Zeit mit Internet Termindruck und allen Segnungen / Wirrungen der Neuzeit die Stufen zur Bibliothek hoch, zahlt seinen (wie ich finde eher geringen) Eintritt und durchschreitet eine schwere Metalltür. Ab diesem Moment hat die Zeit ein anderes Tempo.

Die Bücher.

Das Licht.

Der hohe Raum.

Die Stille.

Im Wissen solch illuster Bibliotheksleiter wie Gottfried Wilhelm Leibniz oder Gotthold Ephraim Lessing aber auch belegter Besuche berühmter Gelehrter der damaligen Zeit (Voltaire, Gebrüder Humboldt, selbst Casanova) sollte man sich die Zeit nehmen und sich einfach einmal hinsetzen und zu Staunen.

Zu Sehen gibt es dort wirklich genug. Das populär bekannteste Beispiel ist wohl das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes von England (Entstehung ca. 1173-1175, vielleicht 1188). Das Buch galt bei seiner Versteigerung 1983 für 32,5 Millionen DM als das teuerste Buch der Welt (gemeinsames Eigentum der Länder Niedersachsen und Bayern, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie der Bundesrepublik Deutschland).

Aber nicht nur dieses Buch wird (im Faksimile) hier gezeigt, auch viele andere ausgesprochen sehenswerte Drucke und Bücher werden ausgestellt.

(ASTROLABIUM, DES MENSCHEN CIRCKEL UND LAUFF, Berlin 1575, es war möglich damit auch Horoskope zu erstellen und zukünftige Krankheiten zu prognostizieren)

Neben dem mehr als imposanten Hauptraum gefällt mir insbesondere auch der „Globensaal“. Werden doch Karten und Globen des 16. Jh. dargestellt. Man stelle sich einfach einmal vor, die „neue Welt“ wurde mit Mühe von Columbus und Vespucci bereist und in weiten Teilen Europas galt die Welt noch als Scheibe und hier stehen diese Karten – unfassbar.

Zu sehen sind z. B. Ablassbriefe nicht nur aus der Zeit sondern aus der Hand Johannes v. Gutenbergs 1455

Wie auch Buchdrucke anderer bemerkenswerter Zeitgenossen.

Ein weiteres nicht nur optisches Highlight ist das Malerbuchkabinett („Ars librorum“) der Herzog August Bibliothek. Zu den bekanntesten europäischen und amerikanischen Malern und Bildhauern, die in der Sammlung vertreten sind, gehören Arp, Beckmann, Bonnard, Braque, Chagall, Dalí, Derain, Dine, Dubuffet, Ernst, Hockney, Johns, Maillol, Miró, Matisse, Motherwell, Laurens, Léger, Picasso, Rauschenberg

Wer also bei gutem oder schlechten Wetter eine Auszeit braucht und sich auf ein Rendezvous eines Ortes mit Magie und Esprit – aber auch gelebter Geschichte mit einem Augenschmaus einlassen will –
dem sei ein Besuch in der Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel wärmstens empfohlen.

Adresse: www.hab.de

Herzog August Bibliothek
Lessingplatz 1
D-38304 Wolfenbüttel

Wir bedanken uns bei Jörn Schewski für diesen Beitrag. Alle Bildrechte liegen bei ihm. Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Fotografiert wurde mit: Leica SL, Leica Super Vario Elmar 16-35, Formatt Hitech Polfilter

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