Corona und der Garten II

Im Frühling des Jahres habe ich während des Corona Lockdowns einige Stunden mit der Kamera in unserem Garten in der Stadt verbracht. Mit der Zeit war das Interesse daran erloschen, das Makroobjektiv ist mittlerweile leider kaputt, die Blumen verblüht und die super tiefgründig durchdachte Futterstelle für die Mäuse wurde zunehmend zum Katzenplatz, noch bevor sie sich als herausragender Fotospot beweisen konnte. Irgendwie war ich dann doch eher wieder bei den Waschbären unterwegs, als weiterhin mit der Kamera im Garten rumzulungern.

Vor einer Woche ergab sich jedoch eine kleine Veränderung, wodurch sich die Bedingungen nochmal änderten. Aus einer Wohnung in einem Nachbarhaus konnten wir sonst schon immer die lauten Rufe eines Vogels hören, sobald sie dort das Fenster geöffnet hatten. Letzten Sonntag kamen die Rufe plötzlich aus einer anderen Richtung, weshalb ich mich mal etwas im Innenhof umgesehen habe. Ich wurde fündig und bekam mit, dass tatsächlich aus dem Nachbarhaus der Vogel entflogen war. Es handelt sich dabei um einen Mohrenkopfpapagei, der eigentlich im westlichen Afrika beheimatet ist und die letzten Jahre anscheinend in einem Käfig verbracht hat. Die Versuche der Besitzer ihn wiederzubekommen fallen eher spärlich aus und basieren in erster Linie auf nettem Zureden, was von dem Vogel jedoch mit vollumfänglichem Desinteresse entgegnet wird. Wie sich die Situation entwickelt bleibt daher vorerst abzuwarten.

Wie im Dschungel. Der Mohrenkopfpapagei hoch oben im Baum. Canon EOS R + Canon 500 f/4 L IS II USM + Canon Extender EF 2.0x III
Der orangene Bauch hilft etwas dabei ihn zu entdecken. Canon EOS R + Canon 500 f/4 L IS II USM + Canon Extender EF 2.0x III

Ich bin zurzeit nach wie vor im home office und gehe seitdem mehrmals täglich auf die Terrasse, um zu sehen wo der Papagei gerade hockt. Er verhält sich ziemlich natürlich, hält sich die meiste Zeit eher versteckt im Laub der Bäume auf und futtert fleißig Kirschen und Ebereschen. Er scheint recht standorttreu zu sein und sitzt meistens in den gleichen Bäumen. Auch in der Nachbarschaft blieb er aufgrund seiner Rufe nicht lange unbemerkt, woraufhin sowohl der laute Vogel als auch der junge Mann mit der großen Kamera mittlerweile ein gängiges Gesprächsthema sind. Wie lange sich der Ausreißer hier noch aufhält bleibt abzuwarten, vor allem wenn sich die Nahrungssituation verändert. Bei uns im Garten gibt es zwar eine Wasser- und Erdnuss-Flatrate für die Singvögel, aber bislang war er immer weiter oben unterwegs. Aktuell ist es eher eine Bereicherung für das Naturerlebnis in unserem Innenhof und es macht Spaß ihn bei seinen Papageien-Dingen zu beobachten.

Auf Dachterrassen. Canon EOS R + Canon 500 f/4 L IS II USM
Auf Bürogebäuden. Canon EOS R + Canon 500 f/4 L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III
Auf Balkonen. Canon EOS R + Canon 500 f/4 L IS II USM + Canon Extender EF 1.4x III
Auf Kirschbäumen. Canon EOS R + Canon 500 f/4 L IS II USM + Canon Extender EF 2.0x III
Auf Ebereschenbäumen. Canon EOS R + Canon 500 f/4 L IS II USM

So kam es, dass die Naturfotografie im Garten doch nochmal wiederbelebt wurde, weil so ein Mohrenkopfpapagei irgendwie ein cooles Motiv darstellt. Zum Einsatz kommen dabei das Canon 100-400 L IS II und das Canon 500mm f/4 L IS II mit dem 1,4x sowie dem 2,0x Konverter an der EOS R.

Abends ruft er meistens erst etwas intensiver, ehe er in der Dämmerung verstummt. Canon EOS R + Canon 500 f/4 L IS II USM + Canon Extender EF 2.0x III
Auf Nahrungssuche. Canon EOS R + Canon 100-400mm f/4,5-5,6 L IS II
Versteckt im Geäst. Canon EOS R + Canon 100-400mm f/4,5-5,6 L IS II

Sollte sich die Situation zum Herbst hin jedoch verschlechtern und er bis dahin immernoch nicht eingefangen sein, müssen wir vielleicht doch nochmal über einen gezielten Fangversuch nachdenken. Außer jemand weiß von Mohrenkopfpapageien, die irgendwo in den gemäßigten Breiten auch die Winter in der freien Wildbahn überstehen? Von den anderen Papageiarten wie Halsbandsittichen oder den Gelbkopf-Amazonen weiß ich natürlich, aber zu Mohrenkopfpapageien habe ich nur wenige Infos finden können. Falls jemand etwas weiß, wäre ich über Informationen durchaus dankbar.

Jan Piecha

 

Jan Piecha
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