Die Leica SL-II

Ein Gastbeitrag von Jörn Schewski

Nachdem ich im Juni ja schon ausgiebig die Panasonic S1r (Bericht) getestet habe, wartete ich natürlich auf das Erscheinen der Leica SL- II. Gerade als langjähriger SL-I Nutzer habe ich mich natürlich mit dem Design/ der Haptik und vor allem den Gläsern der Leica angefreundet- nun wollte ich doch einmal wissen wie sich die Kamera im Vergleich zur Panasonic S1r schlägt.

Dieser Bericht gibt rein meine subjektive Meinung wider und hat gar keinen Anspruch alle Themen abzudecken oder gar bis ins letzte Detail alles zu vergleichen. Für mich stand im Vordergrund – welche Kamera bringt mich weiter – unterstützt mich in meiner Art zu fotografieren und passt sich harmonisch darin ein. Um es direkt vorauszunehmen – letztlich hab ich die SL-II behalten.

Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass diese Kamera für nahezu 6.000 € eine Menge Geld bedeutet und nach aktuellen Preisen zum Erscheinen des Artikels bekommt man fast 2 Panasonic S1r für diesen Preis. Technisch sind die beiden Kameras fast Zwillingsschwestern mit gleicher Technik und ähnlichen Features aber in einem anderen Gehäuse.

Den Sport- Part der Fotografie habe ich mit der Panasonic für mich geklärt und selbst im Adapter Modus (damals gab es im Bereich > 200mm nur das 90-280 von Leica) war ich hoch zufrieden. Nun folgte also mit der SL-II der Landschafts-Part und das ausgiebige Probieren im „Normalmodus“ (immer im Kopf habend, dass mein Lightroom Katalog nach Abzug der schlechten Bilder ca 20.000 Bilder mit der Leica SL-I in 3 Jahren zählt).


Ich bin durchaus kritisch – aber einige Sachen sind einfach gelungen. Der kamerainterne IBIS ist mit dem Leica 24-90 (zusätzlich OIS) ein Knaller, 0,8 Sek. bei 90mm sind schon eine Ansage bei einem scharfen Bild, und selbst ein Fremdglas 180mm (Voigtländer APO Lanthar f4.0 adaptiert) mit 1/15 Sec ist mehr als bemerkenswert. Dieses kann man aber auch in den anderen Reviews nachlesen.

Man liest jetzt aber nicht so viel über Hotpixel beziehungsweise dieses manchmal enorme Rauschen bei LZ Belichtung bei Leica – (Sensorüberwärmung) meine SL-I hatte aber ein echtes Problem in langer Nutzung im Gelände bzw. auch bei Aufnahmen > 30 Sekunden. Ich spekuliere, aber wahrscheinlich deswegen war bei der SL-1 auch von Anfang an die Noise Reduction fix ohne Möglichkeit sie abzustellen um das (trotzdem sichtbare ) Problem abzustellen. Jetzt ist es abstellbar- zu recht – denn diese Probleme sind deutlich in den Griff bekommen worden ( Belichtungszeiten von 60-120 Sekunden im Test ohne diese enormen Auffälligkeiten).

Das Handling ist erst mal gewöhnungsbedürftiger, ich drücke an Stellen – da ist gar kein Knopf mehr. Nichtsdestotrotz liefert die Kamera ab. Die Bilder sind plastisch, der Dynamikumfang passt gut – das Rauschen ist durchaus besser als die SL-I (trotz des deutlich grösseren Sensors). Zusätzlich kommt der Bonus des IBIS zum Tragen, so dass ich selbst bei „aus der Hand Fotos“ die Zeiten so weit runtersetzen kann, dass ich bei einem Nachtwalk in Prag die ISO NIE > 800 einstellen musste ( ich fotografiere eigentlich nur im M- Modus). Überhaupt ist der IBIS so gut, dass ich behaupte in vielen Situationen jetzt gar kein Stativ mehr zu brauchen.

Der Sucher mit seiner Auflösung von 5,76 Millionen Pixeln ist ausgesprochen angenehm (und das obwohl der Sucher der 4 Jahre alten SL-I für mich immer noch einer der besten auf dem Markt ist). Durch einfache Bedienung kann man auch rein manuelle Objektive mit geringster Schärfentiefe (Noctilux bei f1.0) elegant scharf stellen. Etwas Probleme bereitet der AF bei geringen Kontrasten im Nahbereich etwas mehr als in der Distanz. Zumindest im direkten Vergleich mit der SL-I.

Der Einsatz von Filtern (ND Grauverlauf und auch Polfilter) ist unproblematisch, hilfreich ist es aber, hier manuell zu fokussieren da durch deutliche Minderung der Lichttransmission der AF doch manchmal Schwierigkeiten bekommt (was aber in der Natur der Sache liegt). Überhaupt war der Einsatz im Feld für mich der „Dealmaker“ im Vergleich zur S1r.

Wie auch bei der Leica SL-I kann ich die LZ Belichtung bis 30 Minuten allein über die Kamera regulieren. Bei Aufnahmen länger als 60 Sekunden war bei der S1r Schluss mit der einfachen Lösung. Man braucht dann da zwingend ein zweites „digital device“ (aka Handy und App) oder eine kabelgebundene Lösung, beides war für mich KEIN gangbarer Weg.

Begeistert bin ich von der Gesamtsituation der L- Mount Alliance. Bereits im Frühsommer hab ich an der SL das Panasonic 24-105/4.0 LUMIX S Macro O.I.S. getestet und war gerade auch bei dem Preis über die Bildqualität mehr als überzeugt (mein Leica 24-90/2.8-4.0 möchte ich dafür trotzdem nicht eintauschen). Ganz aktuell hab ich seit einiger Zeit das Sigma 135/1.8 DG HSM ART f1.8 ART in der L- Mount Version. Ich mag ja die leichte Tele- Brennweite.

Und in Verbindung mit f1.8 gibt mir das gänzlich andere Spielmöglichkeiten. Das 135mm ist sicher ein modernes auf Schärfe getrimmtes Glas, hat aber gleichzeitig ein mich sehr ansprechendes Bokeh. Der AF sitzt mit der SL-II und dem Prä Fokus wunderbar und selbst im Reitsport ( auf einen zugaloppierende Pferde) ist der AF gut und zufriedenstellend treffsicher.

Interessanterweise ist der Betrieb im MANUELLEN Fokus kameraintern aber sowohl an der SL- II als auch SL-I nicht wählbar- und es hat mich ganz schon viel Zeit gekostet, dass der Schalter AM OBJEKTIV nicht nur beschriftet ist, sondern im Sinne von AF und MF sogar NUTZBAR… An der SL- II funktioniert AF auch sonst wirklich gut, an der SL-I jedoch bekam ich grade auch in grenzwertiger Lichtsituation manchmal kein scharfes Bild nur mit AF hin.

Was ich tatsächlich vermisse ist die GPS Fähigkeit, zumal auch die aktuelle Version der FOTO App von Leica diese Funktion noch nicht unterstützt. Gerne würde ich auch die Multishot Funktion testen (in dieser Funktion werden bis zu acht auf einander folgende Bilder aufgenommen, wobei der Sensor zwischen jeder Aufnahme in Schritten von einem halben Pixel verschoben wird. Es entsteht ein bis zu 187 MB große Datei, im Idealfall mit deutlicher Schärfe- ist aber leider erst in einer höheren Firmware als die aktuelle 1.0 avisiert).

Kritisch beobachte ich die Situation in Sachen Verschmutzung des Sensors. Ich gehöre zu der Gruppe von Menschen, die häufiger auch mal das Objektiv wechseln, da ich ja oft im Feld bin und nicht in einem Studio. Und der gelagerte Sensor macht den Einsatz eines Klebe-Lolly als bisheriges Universalwerkzeug zumindest kritisch.

Ein wesentlicher mich gravierend störender Punkt der mir erst bei längerer Nutzung aufgefallen ist: Im Serienbild Modus (und auch im Videomodus so sagt die Anzeige) überprüft die Kamera die Ladung des Akkus und entscheidet selbst, dass die Spannung nicht mehr ausreicht um den jeweiligen Modus zu betreiben. Das bedeutet im Härtefall dass trotz halbvollen Akkus keine Auslösung mehr im Serienbild Modus möglich ist. Meiner Meinung nach hätte eine Warnung gereicht, so aber verliere ich unter Umständen wertvolle Zeit und das Bild nur um den Akku zu tauschen. Das MUSS abstellbar werden.

Weiteres Auffälligkeit im Vergleich zur SL-I beim Akku Wechsel: Akkuwechsel OHNE auszuschalten kann dazu führen, dass der letzte eingestellte Kamera Modus unter Umständen NICHT gehalten wurde. Bsp.: Nach dem Anschalten hat man Landschaftsaufnahmen gemacht um dann beispielhaft in einen Sportmodus ( kurze Verschlusszeit, vielleicht auch ISO angepasst) zu wechseln. Wenn dann der Akku OHNE Kamera auszustellen gewechselt wird ( was ich schon mal mache) – ist das Setting da wie zu Beginn des Shootings im Anschalten, NICHT wie die Kamera zuletzt eingestellt war.

Unabhängig davon: Meine vollkommen subjektive Entscheidung für die SL- II (als SL-I Besitzer) habe ich für diesen Kurzbericht noch einmal zusammengefasst:

PRO:
– IBIS
– grösserer Sensor
– besseres Rauschverhalten (deutl. weniger Hotpixel !!!)
– Haptik
– Sucher

CONTRA:
– Andere Menüführung
– Preis
– kein Klapp Display
– kein GPS
– Akku Prüfung im Serienbild Modus

Beide Punkte lassen sich vom jeweils eigenen Standpunkt des Lesers durchaus anders interpretieren, für mich ist diese Kamera die logische Weiterentwicklung einer robusten Kamera mit breit aufgestelltem Einsatzbereich. Natürlich gibt es Systeme die andere (bessere ) Teilleistungen haben. Ich brauche aber keine zusätzliche reine Sport Kamera, ebenso deckt die SL-II den Landschaftsbereich so umfassend ab, dass ich das Mittelformat für mich vernachlässige.

 

Wer das Thema noch weiter vertiefen möchte, dem empfehle ich zwei weitere Berichte zur SL- II. Zum einen von Jonathan Slack ein von mir sehr geschätzter britischer Fotograf. Mit weiteren Bildern aber auch noch Tom Berger und bezüglich richtiger Belichtung unter besonderer Berücksichtigung der Leica SL-II einen Beitrag von Stefan Groenveld.

Jörn Schewski

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2 thoughts on “Die Leica SL-II”

  1. Kleiner, aber lustiger Schreibfehler, denn das 135er Sigma hat sicherlich keinen Glaspilz:

    „Das 135mm ist sicher ein moderndes … Glas“.

    VG Holger

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