L-Mount – ein Wochenende mit der Panasonic S1r

Ein Gastbeitrag von Jörn Schewski

„Cui bono“- Wie für mich gemacht

Seit Jahren fotografiere ich jetzt mit verschiedenen Kamera Systemen. Erste Schritte erfolgten im analogen Zeitalter mit dem Pentax System, es gab einen „Beinahe-Start“ in die berufliche Fotografie, dann  nach Jahren der „low frequency photography“ mutierte ich ab 2013 zu einem “Power- User“ mit Pentax K5/K3/K1 sowie dann mit der Fuji XT-1 und seit 2018 auch mit der XT-3, aber eben auch zunehmend seit 2016 mit der Leica SL. 

Ich wurde oft gefragt was die SL besser kann als die 645Z von Pentax zum Beispiel. Antwort: NICHTS. Aber die Qualität der Gläser (Leica R und M sowie auch die SL Reihe selbst), DAS ist definitiv eine andere Liga als alles was sich an eine Pentax (selbst mit Bajonett Umbau) anschließen lässt. Im Laufe der Zeit habe ich ein paar wenige „Altglas“ Schätze ergattern können und da ich persönlich  kein erklärter Fan der Sony Kameras bin, war der Schritt zur Leica SL naheliegend. Inzwischen habe ich einen Großteil meiner ehemals umfangreichen Pentax KB Ausstattung gegen wenige Leica Gläser getauscht.

Aus dieser Biographie heraus war ich natürlich hochgradig elektrisiert, als die ersten L- Mount Ankündigungen durch die „Rumor“ Ticker liefen. Das Für und Wider der einzelnen L- Mount- Allianz Mitglieder kann man trefflich diskutieren, für mich hat es aber in meiner Situation nur Vorteile.
Der Nischenanbieter Leica wird von einer umsatzstarken ebenfalls qualitativ nicht schlechten Firma Panasonic im Kamerabau flankiert, dazu gesellt sich ein Objektiv Hersteller Sigma, der im Langbereich gute Erfahrungen hat und die ART Serie an sich spricht ebenfalls für sich alleine. „Cui bono“ beantworte ich ganz egoistisch -> wie für mich gemacht.

In diesem Zusammenhang hatte ich im Juni die einzigartige Möglichkeit bekommen, das System Panasonic S1r für eine Woche auf „Herz und Nieren“ zu testen. In diesem Zeitraum hatte ich zwei mir wichtige Termine wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Zum einen hatte ich fotografisch das Hamburger Springderby in Klein Flottbek festzuhalten, darüber hinaus fand am gleichen Wochenende aber auch das „Elbjazz“ Festival im Hamburger Hafen statt, was seit Jahren für mich höchsten Stellenwert hat – und auch da hab ich die S1r mitgenommen.

Dieser Test fand für mich also unter realen „Feld“ und Stress- Bedingungen statt, zumal ich weder die „Backstein- Fotografie“ als Qualitätsmerkmal eines Systems anerkennen mag noch die Grenzzonen Fotografie im High(est) Iso Bereich, geschweige denn Pixel Peeping eine für mich anerkannte Sparte der Fotografie ist (die aber wohl einen Bereich der Fototechnik bedient der auch mal interessant sein KANN).

Das Setting wurde wie folgt zusammengestellt:
Panasonic S1r mit 24-105 „Kit-Zoom“, und mangels nativer Linsen dazu den Sigma L Mount Adapter MC 21 und einige Objektive von Sigma mit im Canon -Mount: Sigma 14/1.8 DG HSM ART, 135/1.8 DG HSM ART sowie auf besonderen Wunsch von mir das Sigma 120-300/2.8 DG OS HSM Sports. Zusammen mit meiner vorhandenen Leica Ausstattung ergab das nicht nur auf dem Papier eine vielversprechende Kombination.

Was fiel mir auf:
Die Kamera hat eine für mich gute Haptik. Sie liegt trotz der Größe und des Gewichts bei mir gut in der Hand. Nichtsdestotrotz ist es gerade auch mit dem sehr großen Sigma 120-300 mm mehr als eine Hantel und hat durchaus das Potential, für Umsatz bei den therapiewilligen Orthopäden zu sorgen („Sehnenscheidenentzündung“).

Die RAW Bilder haben bereits unbearbeitet ein hohes Maß an Qualität. Gerade auch wenn man (haupt)beruflich eine Menge Bilder am Stück produziert und im gestreckten Galopp auch noch schnell bearbeiten muss (Kennzahl: ein einzelner  Derby Tag bedeutet für mich ca. 3.000-4.000 Bilder) sicher ein Vorteil.

Das Bildergebnis kommt meiner Meinung nach dem Bildergebnis der Fuji Dateien MINDESTENS gleich.

Die Dateigröße in sich gibt selbst bei schlechtem Bildaufbau immer noch sehr viel Crop Reserve. Das ist zugegebenermaßen kein fotografisches Qualitätsmerkmal, wird aber gerne von Sony Fotografen als Argument für hohe Auflösungen immer wieder ins Feld geführt…

Der Dynamik Umfang ist bei sinnvoll eingesetzter Fotografie mehr als ausreichend.

Das „Kit-Zoom“ ist mehr als eine Kit- Scherbe. Der Einsatz sowohl an der S1r als auch an der Leica SL hat nicht nur schöne brauchbare auch wirklich gute Bilder produziert (in diesem Beitrag aber nicht berücksichtigt).

Das Zusammenspiel der Canon- Mount adaptierten Gläser von Sigma hat mich im AFS Modus sehr positiv überrascht (Der AFC ist in dem Setting noch nicht nutzbar gewesen).

Die Leica Gläser (SL 16-35/3.5-4.5 SUPER-VARIO-ELMAR , das SL 24-90 Elmarit) aber auch alle anderen adaptierten Gläser (Leica Apo Telyt -R 180/3.4, Tele Elmar -M 135/4, Leica Noctilux 50/1.0, Leica Summilux 28/1.4 ASP aber auch das Voigtländer APO Lanthar 125/2.5 SL Makro) haben bildhaft mindestens auf vergleichbarem SL Niveau abgeliefert.

Unabhängig von der Kamera weiß ich jetzt, dass das Sigma 135/1.8 ein ganz heißes Eisen ist.

Was hab ich NICHT geschafft in der Woche:
Ganz klar- die Landschaftsfotografie und den eingehenden Test in diesem Bereich, Langzeitbelichtung sowie Weitwinkel  Fotografie. Das 24-105 Kit Glas hab ich im Kreuztest dann an der Leica SL gehabt, aber um diese Kamera geht es bei den Fotos hier ja sonst nicht…)

Kurz und knapp:

 Pro:

  • 47MP Sensor/ schneller AF
  • der Sucher, L Mount (!)
  • Preis ( im Vergleich zur Leica)
  • Available light bis zu ISO 3200 ohne Probleme
  • IBIS (aus der Hand scharf (!) 24mm bis zu 0,4 sec)
  • Die meisten/ wichtigen Knöpfe/ Schalter sind intuitiv einfach da wo sie auch sein sollten,
  • Dazu scheint Panasonic eine Firma zu sein, die sich auch um die User kümmert und auch ein Interesse zu haben scheint, das System zügig weiter zu entwickeln.

Kontra:

  • Der hypersensitive Auslöseknopf: In diesem Test habe ich so viele einfach nicht gewollte Auslösungen gehabt wie schon seit Jahren nicht mehr.
  • Gewicht
  • Die Menü- Navigation (einige Sachen muss man wirklich tiefst im Menü suchen)
  • Ich persönlich mag die Farben der Leica SL und des Sensors eher einen Touch mehr, außerdem mag ich den minimalistischen Stil im Layout der Leica SL.
  • Ganz wichtig in der Langzeitbelichtung: Länger als 60 sec ist nur machbar wenn man den Bulb Modus nutzt ( oder eine Remote Version via gut nutzbare App/ wahlweise oldschool via kabelgebundenem (Fern-) Auslöser.

Mein Fazit:
Die S1r ist ein Arbeitstier, die Kamera macht einen ausgesprochen guten Job auch im Sport im AFS Modus und mit Sigma Optiken.

Wir bedanken uns bei Jörn Schewski für diesen Beitrag. Alle Bildrechte liegen bei ihm. Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.

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