Schneeglöckchen

Nun kann man so langsam wieder von Tier- und Landschaftsfotografie in den Makromodus umschalten. Klappt beim ersten Mal im Jahr nicht unbedingt auf Anhieb.Ging mir jedenfalls so, als ich mich vor ein paar Tagen erstmals vor Schneeglöckchen gelegt habe. Mit Kamera versteht sich. Da die Blümchen in einem durchaus sehr gut besuchten Stadtpark standen, nämlich im Schloßpark in Herten, dass bislang eher durch den dort an Zeche Ewald ansässigen Uhu bekannt ist, gab es auch mit Kamera vor der Nase schon genug blöde Kommentare zu ertragen. Sich ohne diesem Gerät bäuchlings auf den Rasen zu werfen, hätte sicher noch mehr Verwunderung hervor gerufen.

Blick auf das Wasserschloß. Die Galanthus stehen sowohl auf den Wiesen…
…als auch in den lockeren Baumbeständen.

Unter Menschen zu fotografieren ist mir ja nicht neu, und letztlich ergeben sich auch oft angenehme Gespräche. Daher hat das auch kaum Einfluss auf meine Konzentration beim Fotografieren. Man kann es zudem auch verstehen, dass es den allermeisten Zeitgenossen seltsam anmutet, einen ergrauten Herrn auf einer Parkwiese oder im Wald herumliegen zu sehen.

Als erstes habe ich mich an einfachen Abbildungen versucht, die hier aufgrund der interessanten Lichtsituationen Spaß machen. Oft kann man das Hauptmotiv in den Schatten stellen und einen beleuchteten Hintergrund bekommen.
Im Gegenlicht warten viele Tücken, aber auch der besondere Moment.
Am Schlossgraben ergeben sich schöne Lichtstimmungen und Rflexionen auf dem Wasser.
Die Wiese vor dem Schloß bietet lange Sonnenlicht und einen netten Hintergrund.

Der Schloßpark in Holten weist einen schönen alten Baumbestand auf, in dem sich an einigen Stellen dichte Bestände des Schneeglöckchens finden lassen. Da es zahlreiche Wege gibt, ist das Areal gut zu erkunden und man kann auch oft direkt vom Weg aus fotografieren. Im Ostteil steht auch ein guter Bestand der Märzenbecher, die sogar aus dem Weg herauswachsen.  Das beste aber ist, dass sich die Abendsonne recht lange fotografisch nutzen lässt.

Die Märzenbecher habe ich leider spät gefunden.
Ein Winkelsucher hilft, möglichst tiefe Kameraperspektiven zu finden.
Vor dem Schilf am Schloßgraben finden sich reizvolle Hintergründe. Hier fällt man aber auch am stärksten auf und muss sich auf Fragen und Kommentare einstellen.
Man überlebt es aber.

Aber wie schon angedeutet, hat mir das alles beim ersten Besuch nicht viel genützt. Entweder lag ich zu nah oder zu weit vom Motiv entfernt, kam nicht tief genug mit der Linse runter und hatte schlichtweg Probleme damit, überhaupt einen sinnvollen Bildausschnitt zu finden. Schlicht gesagt: ich musste mich erst wieder an die Anforderungen für Blumenbilder ranarbeiten. Also bin ich nochmal hin. Und diesmal ging ich es ruhiger an. Eine wichtige Vorraussetzung. Hektik ist nicht angebracht, denn die verbreitet die untergehende Sonne ohnehin schon zu genüge.

Ein Büschel kann gleich mehrfach genutzt werden.
Sieht aus, als stünden die beiden da ganz einsam…

Hat man einen Bildausschnitt gefunden, fällt garantiert irgendetwas negativ ins Auge. Hier ein Stöckchen, da ein helles trockenes Blatt… Man steht auf, legt beides bei Seite und wirft sich erneut hinter den Sucher. Nur um durch diesen schauend festzustellen, dass sich ein anderes Blatt nun als dunkle Fläche in Szene setzt. Wahrscheinlich hat es der eigene Schuh angehoben, als man die erste „Bildumgebungskorrektur“ vorgenommen hat. Also nochmal aufstehen. Wieder hinlegen. Durch den Sucher gucken und scharf stellen, Ausschnitt festlegen und … Sonne ist weg. In der Abendsituation kann es von einer auf die andere Sekunde mit dem Bild vorbei sein. Lässt man sich davon stressen, wird allles nur noch schlimmer. Lieber ein drittes Mal hinfahren.

Hier war Eile gefordert, denn das Licht wurde zunehmend schwächer.
Aber auch ohne rotem Himmel gefällt mir das noch ganz gut. Es lohnt also, länger liegen zu bleiben und abzuwarten, was sich noch entwickeln könnte.

Hat man ein Motiv gefunden, kann es sinnvoll sein, sich einfach mit diesem zu begnügen und nicht noch unbedingt nach weiteren Ausschau zu halten. So hat man die, natürlich nicht immer nowendige, Aufräumarbeit hinter sich, bevor das beste Licht kommt. Für Abwechslung kann man sorgen, indem man den Bildausschnitt immer wieder mal ein wenig verändert, das Hochformat ausprobiert und die Belichtung variiert.

Durch einen Schneeglöckchenbüschel hindurch fotografiert.

Die Schneeglöckchen sind mit Krokus und Huflattich mal wieder die ersten Blüten im Jahr, aber die anderen drängen aus dem feuchten Boden. Aronstabblätter und Scharbockskraut zeigen schon ihr Laub, und auch die Buschwindröschen werden nicht mehr lange auf sich warten lassen, wenn es so warm bleibt. Aber es sollte auch mal wieder regnen, sonst wird die ganze Herrlichkeit auf halbem Wege verdorren. Hoffen wir das beste. Und legen die alte Fotohose bereit. Vorsicht nur vor den jetzt spriessenden ersten Blättern der Brennessel, die man unterm Laub kaum entdeckt. Sie brennen enorm. Und Zecken sind leider auch schon unterwegs. Lange Ärmel ergeben also noch Sinn, auch wenn die Temperaturen anderes zulassen würden.

Feine Zweige im Hintergrund ergeben manchmal interessante Strukturen im Bild und veranschaulichen den Standort der Pflanze.

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2 thoughts on “Schneeglöckchen”

  1. Hallo miteinander,
    in den Beitrag hat sich ein Fehler eingeschlichen. So wachsen die Schneeglöckchen nicht wie fälschlich von mir geschrieben im Schlosspark Holten, sondern im Schlosspark HERTEN. In dieser Stadt steht auch Zeche Ewald mit dem berühmten Uhu. Es war natürlich nicht meine Absicht, irgendjemanden in die Irre zu führen, sondern hatte schlichtweg einen Aussetzer. Werde das im Text zu korrigieren versuchen, aber für alle, die es vielleicht schon gelesen haben, hiermit ein Versuch der Aufklärung. Sorry dafür.

    Viele Grüße
    Markus Botzek

  2. Ich war ebenfalls im Schlosspark in Herten. Zu dem Zeitpunkt waren die Blüten im Maximalstadium und ich habe es leider kein Zweites mal mehr dort hin geschafft. Die Stelle ist aber für das nächste Frühjahr vorgemerkt. Sowohl die Schneeglöckchen, als auch die Märzenbecher stehen schön in einzelnen Grüppchen oder auch mal alleine, so das man es vom Motiv her auch einfach halten kann nach dem „KISS-Prinzip“ (Keep it simple, stupid), denn wie Markus im Blogbeitrag geschrieben hat, muss man sich bei den Motiven tatsächlich erstmal einfotografieren. Dadurch, dass die Pflanzen nicht so ganz flächendeckend stehen, findet man immer Stellen, wo man sich auf den Boden legen kann um so auf Augenhöhe mit den Blumen zu kommen. Anders kann man ja auch kaum eine schöne Lichtstimmung hinter die Objekte bekommen. Doch Vorsicht: Es ist ein öffentlicher Stadtpark mit entsprechendem Hundebesuch. Man prüfe, wo man sich hinlegt…

    Glück Auf, Guido Alfes

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