Solo-Trekking im Sarek-Nationalpark

Der Sarek-Nationalpark wird als Teil des UNESCO Welkulturerbes Laponia häufig als die letzte Wildnis Europas bezeichnet. Ohne markierte Pfade, Mobilnetz oder Hütten kann man sich dort frei in unberührter Natur bewegen. Meine zweiwöchige Solo-Tour im September führte mich durch den Stora Sjöfallets Nationalpark Richtung Südwesten ins Herz des Sareks. Um beim Fotografieren nur wenige Kompromisse eingehen zu müssen, entschied ich zwei Kameras (Canon 7d II + 70d), Weitwinkel-, Makro- und Teleobjektiv (Canon 17-40 L + Tamron 90 2.8 + Canon 100-400 L), Filter, Akkus, Stativ und Fernglas mitzunehmen. Beim Rest der Ausrüstung sparte ich dagegen jedes Gramm und kam so insgesamt auf ca. 27 Kilogramm Rucksack-Startgewicht.

Berg Slugga in der Gegendämmerung. Canon 7d II + 17-40 L

Ich verbrachte die ersten Tage damit, ein wenig Strecke zurückzulegen und mich im Regen komplett einzunässen. Vereinzelt gaben die Wolken den Blick auf die majestätische Landschaft mit schneebedeckten Gipfeln und Gletschern frei. Andere Menschen sah ich nur vereinzelt in der Ferne. Der Natur völlig ausgesetzt, wurde mir wieder einmal klar, wie verwöhnt wir davon sind, immer warm, trocken, satt und sicher zu sein und wie weit wir im normalen Leben von unseren Grenzen entfernt sind.

Endlich kein Regen mehr. Canon 7d II + 17-40 L

Am vierten Morgen war es ein schönes Gefühl, den Kopf aus dem Zelt zu strecken und einen aufklarenden, dämmernden Himmel zu sehen. Drei ganze Tage konnte ich dann bei sonnigem Wetter die ersten Blicke auf das Rapadalen genießen und dem Tal flussabwärts durch den magischen Wald folgen. Da sich das Wetter nicht planen lässt, habe ich bei einer solchen Tour keine zu konkreten Bildvorstellungen. Ich versuche achtsam zu sein und die erlebten Stimmungen möglichst authentisch fotografisch umzusetzen. Oft habe ich dabei jedoch das Gefühl der Landschaft mit den Aufnahmen nicht ausreichend gerecht zu werden.

Blaue Stunde über dem Rapaselet. Canon 7d II + 17-40 L
Blick ins Sarvesvagge. Canon 7d II + 17-40 L
Elche im Tal. Canon 7d II + 100-400 L
Glühende Flussarme. Canon 7d II + 100-400 L
Bielloriehppe-Bergkette. Canon 7d II + 17-40 L

Im anschließend wieder trüben Wetter lief ich durch neblige Fjälllandschaft. Ich zeltete auf einem Höhenrücken mit herrlichsten Blicken, die ich im Nebel nicht sehen konnte und wetterte einen Tag direkt am Fluss im melancholisch ruhigen Wald ab. Um das Lager herum waren frische Bärenspuren zu finden. Die Herbstfärbung der Birken hatte in wenigen Tagen plötzlich ihren Höhepunkt erreicht.

Nebel ist Bachwetter. Canon 7d II + 17-40 L
Moorschneehuhn im Fjäll. Canon 7d II + 100-400 L
Herbststimmung im Rapadalen. Canon 7d II + 17-40 L

Nach insgesamt drei Tagen Nässe stapfte ich durch mit Wasser gesättigten Wald auf den Berg Nammasj, einen heiligen Berg der Sami. Es war still und seit drei Tagen hatte ich nun keinen Mensch mehr gesehen. In völliger Einsamkeit auf diesem Berg zu sein, brachte eine intensive Stimmung mit sich. Der Kraft der unberührten Natur kann man sich in dieser Umgebung nicht entziehen – die Ruhe und Weite überträgt sich auf einen selbst. Aus der Vogelperspektive erstrahlte das Rapadalen in intensivem Orange und ich konnte zahlreiche Elche dabei beobachten, wie sie durch die Flussarme liefen und schwammen.

Elche in der Rapa. Canon 7d II + 100-400 L
Blick vom Nammasj aufs Rapadelta. Canon 7d II + 17-40 L

Als ich diesen Ort verließ, stieg ich ab, nur um auf der anderen Talseite wieder zum Sattel des Bergs Skierffe aufzusteigen. Dort lagen am Morgen die Temperaturen bei klarem Himmel weit unter null und meine nassen Schuhe waren steif gefroren. Das Sonnenaufgangslicht ließ das Tal warm erstrahlen wie erhofft. Nach diesem Abschluss folgte ich dem Kungsleden Richtung Norden und beendete meine Tour in Saltoluokta, gesättigt mit intensiven Erfahrungen und Eindrücken.

Blick vom Skierffe. Canon 7d II + 17-40 L
Wasserkunst. Canon 7d II + 100-400 L
Zufrieden am Ende der Tour. Canon 7d II + 17-40 L

Wenn ich nicht draußen unterwegs bin, studiere ich in Dresden Medizin und bin seit kurzem Mitglied der GDT-Jugendgruppe. Weitere Bilder finden sich auf meiner Website www.heimfischer.com oder auf www.instagram.com/tillmannfischer/.

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